Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Willkommen in der zweiten Halbzeit! Heute, am 1. Juli, geht das Kalenderjahr in seine zweite Hälfte. Sicher, erst mal ist das nur ein äußerlicher Übergang, der an sich nicht viel verändert. Aber innerlich ist es für mich die Möglichkeit, kurz innezuhalten und über meinen Weg nachzudenken.
Ein bisschen ist das wie zum Jahresbeginn. Aber nur ein bisschen. Zum Jahresbeginn schaue ich meistens nur nach vorne. Und wenn ich mir dann Dinge vornehme, sind die oft arg hochgegriffen und unrealistisch. Entsprechend lang oder kurz halten diese Vorsätze dann auch nur.
In der Jahresmitte ist es anders. Da kann ich gut auch zurückschauen, überlegen, wie die erste Hälfte so lief. Und davon ausgehend kann ich dann realistisch die zweite Hälfte in den Blick nehmen. So wie ein Fußballteam in der Halbzeitpause vielleicht. Da wird ja meistens auch nicht das gesamte Konzept über den Haufen geworfen, eine völlig neue Taktik abgesprochen, sondern eben gezielt nachjustiert.
Was genau ist überhaupt nochmal passiert im letzten halben Jahr? So präsent habe ich das gar nicht mehr, merke ich. Da hilft es mir, schlicht in den Kalender zu schauen. Schnell ist dann einiges wieder da. Der chaotische Januar, die kaputte Waschmaschine das gesamte Frühjahr über, unsere erste kleine Städtetour mit den Kindern nach Ostern. Manches davon habe ich auch in einem Tagebuch aufgeschrieben, zusammen mit meinen Gedanken und Gefühlen dazu. Auch da gucke ich nochmal rein. Mit was ging es mir gut? Was soll gerne so weitergehen? Und wo sind Dinge an die Wand gefahren? Was hat mir gefehlt? Was möchte ich ändern? Diese Fragen helfen mir bei meinen Zielen für die zweite Jahreshälfte. Und ich versuche, mir möglichst konkret etwas vorzunehmen. Zum Beispiel bin ich beim Rückblick auf alte Freundinnen und Freunde gestoßen, mit denen ich gerne und lange telefoniere alle paar Monate. Diese Gespräche tun mir gut, und trotz der großen Entfernungen spüre ich dann viel Verbundenheit. Es gibt Menschen, mit denen ich das schon länger nicht mehr gemacht habe. Die habe ich mir jetzt aufgeschrieben – und ich verabrede mich mit ihnen.
Das war’s auch schon mit der Kabinenpredigt in der Halbzeitpause. Raus geht’s in den Juli, die zweite Halbzeit steht an. Viel Erfolg Ihnen dafür – und Gottes Segen.
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