SWR3 Gedanken
Jehuda Bacon ist einer der Menschen, die mich am meisten beeindruckt haben in meinem Leben. Ich habe ihn in Jerusalem getroffen. Jehuda Bacon ist vor 96 Jahren in der Tschechoslowakai geboren. Dort ist er als Sohn einer jüdischen Familie aufgewachsen. 1942 wurde er mit seiner Familie ins Getto Theresienstadt deportiert und ein Jahr später nach Auschwitz. Sein Vater, seine Mutter, seine Schwester und viele andere Mitglieder seiner Familie sind von den Nazis getötet worden. Er hat überlebt und ist dann nach Israel ausgewandert.
Als ich ihn kennengelernt habe, war ich beeindruckt von seiner freundlichen, humorvollen und unbeschwerten Ausstrahlung. Er hat immer noch etwas von einem Lausbub. Trotz seines hohen Alters – vor allem aber: trotz seiner Zeit in Auschwitz und dem unfassbar Schrecklichen, was er dort erlebt hat.
Jehuda Bacon hat mit einem Lächeln im Gesicht gesagt, dass er davon überzeugt ist, dass in jedem Menschen ein göttlicher Funken ist. Und diesen göttlichen Funken, den kann keiner zerstören. Das haben auch die Nazis damals nicht geschafft. Und er sagt sogar, dass selbst die Nazis diesen göttlichen Funken in sich gehabt hätten. Manchmal hätte er ihn sehen können. Wenn in allem Furchtbaren jemand doch Herz gezeigt hat.
Mich hat das beeindruckt. Dass jemand, der solch unvorstellbare Schrecken erlebt hat, so positiv über Menschen sprechen kann. Und mit so viel Liebe anderen Menschen begegnen kann. Wie mir und den vielen anderen, denen er von seinem Leben erzählt. Er bleibt dabei nie bei den furchtbaren Ereignissen stehen, die er erlebt hat. Sondern er erzählt immer auch vom göttlichen Funken, der in jedem Menschen steckt.
Jehuda Bacon ist mir darin ein Vorbild. In seinem Denken und in seinem Blick auf die Welt und auf ihre Menschen.
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