Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
In dieser Woche lesen wir in der Tora gleich zwei Abschnitte: Beide beschreiben nicht nur historische Ereignisse – sie geben auch Orientierung für unser heutiges Leben. Der erste Teil beginnt mit dem Thema der Gelübde – der Versprechen, die ein Mensch ausspricht. Die Tora nimmt unsere Worte ernst. Ein ausgesprochenes Wort kann heilen – oder verletzen. Darum sagt die Tora: „Was du gelobst, sollst du halten.“ In einer Welt, in der oft viel geredet wird – manchmal zu viel – erinnert uns die Tora daran: Worte sind Verantwortung.
Der zweite Teil der Lektüre zählt die 42 Stationen auf, an denen das Volk Israel in der Wüste lagerte. Manche davon waren Orte des Aufbruchs, andere der Rückschläge. Aber sie alle waren Teil des Weges ins verheißene Land. Ich frage mich manchmal: Was wären unsere eigenen „42 Stationen“? Die Momente, in denen wir aufgebrochen sind. Die Augenblicke, in denen wir geruht oder gerungen haben. Rückblickend erkennen wir oft: Auch die schwierigen Stationen hatten ihren Sinn. Kein Schritt war umsonst.
So erinnern uns diese Tora-Lektüren daran: Was wir sagen, zählt. Und was wir erleben, formt uns. Denn jeder Mensch ist unterwegs – von Station zu Station, mit dem Ziel, ein erfüllteres, bewussteres Leben zu führen.
An diesem Schabbat beginnt der jüdische Monat Aw. Ein Monat, der Trauer. Am 9. Aw erinnern wir uns an die Zerstörung des Tempels in Jerusalem vor 2000 Jahren. Aber es ist ein Monat, in dem wir den Schmerz nicht verdrängen, sondern durch ihn hindurch wachsen – hin zur Hoffnung.
Schabbat Schalom – und möge der kommende Monat uns Einsicht, Trost und inneren Frieden bringen.
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