Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

02JUL2025
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Vorgestern habe ich den Zug um Sechs Uhr Siebzehn erreichen müssen. Also bin ich früh aufgestanden und aus dem Haus gegangen. Jetzt im Sommer war zu dieser Uhrzeit der Tag bereits erwacht.

Ich mag das, wenn morgens die Sonne scheint. Trotzdem brauche ich eine Jacke. Die Morgenfrische kitzelt in der Nase. Natürlich sind die Vögel bereits wach und pfeifen um die Wette. Und wie die Vögel so zwitschern, denke ich: das ist bei uns Menschen ähnlich. Es gibt sozusagen die frühen Vögel, die sind morgens früh munter und agil. Lerchen nennt man sie. Und es gibt Eulen, also die Nachtmenschen, weil sie wie Eulen abends und nachts fit und aktiv sind.

Und während ich über morgendliche Lerchen und Nachteulen nachdenke, frage ich mich: Wozu gehört Gott? Ist Gott eine Eule oder eine Lerche? Mein erster Gedanke: wahrscheinlich eine Lerche. Denn die Bibel erzählt, wie Gott kurz nach der Erschaffung der Welt durch die Morgenfrische im Garten Eden spaziert (1. Mose 3,8).

Und mir gefällt die Idee. Das wäre doch was. Wenn ich jetzt in der Morgenfrische, auf dem Weg zum Bahnhof, Gott treffen würde. Kommt Gott gerade da vorne um die Ecke? Oder winkt er mir von der anderen Straßenseite zu? Ja, so wird es sein: Gott ist früh auf den Beinen. Aber ich glaube sogar: er ist schon die ganze Nacht unterwegs. Unterwegs durch die Nacht und gerade in den Nächten des Lebens, wenn alles so düster scheint.

Ist Gott also doch eher eine Nachteule und keine Lerche? Oder ist er einfach immer da? Ich entscheide mich für: immer da. Gott kann mir und dir jederzeit begegnen, nicht nur auf dem Weg zum Bahnhof. So verspricht es auch die Bibel: „Siehe, der dich behütet, schläft und schlummert nicht. Gott behütet dich, damit dich am Tag die Sonne nicht steche, noch der Mond in der Nacht.“ (Psalm 121,4-6)

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