SWR Kultur Wort zum Tag

25JUN2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Als Kind habe ich mich gefragt, wie Gott es eigentlich schafft, im Himmel alle Bitten zu sortieren. Wie er es packt, die Bitten der Bauern um Regen und die der Familien vor dem Sonntagsausflug um Sonnenschein zu koordinieren. Im Film „Bruce Allmächtig“ spielt Jim Carrey einen Mann, der versucht, diesen Job Gottes zu übernehmen. Das Ergebnis ist katastrophal. Bruce verursacht Naturkatastrophen, weil er das mit der Koordination nicht hinbekommt und versinkt völlig überfordert in der Flut der Gebete.

Eigentlich klar, dass die Angelegenheit schieflaufen muss. Wir Menschen haben nicht den völligen Überblick. Sind heillos überfordert, wenn wir versuchen, es allen oder gerade diesem einen Menschen recht zu machen. Erkennen nicht, wo wir durch unser Handeln Verantwortung für unser Unglück tragen. Dann stellt sich so ein gekränktes Gefühl ein, wenn die Welt sich wieder nicht nach unseren Wünschen gerichtet hat. Gott hat versagt! Dann bin ich beleidigt oder trete sofort aus der Kirche aus.

In solchen Verhaltensmustern steckt eine gute Portion Narzissmus. Übrigens auch im Film „Bruce Allmächtig“. Die Hauptfigur dreht sich nur um sich und verliert alle anderen aus dem Blick. Auch die, die ihn eigentlich sehr liebhaben.

Etwas narzisstischen Geist braucht jeder Mensch. Er entsteht im Babyalter, wenn einen die eigenen Eltern begeistert anschauen, obgleich man tatsächlich eher einem zu kurz geratenen Buddha ähnelt. Der liebevolle Blick der eigenen Familie ist wie eine rosarote Brille – und lebenswichtig. Wir brauchen das, damit wir später auch in schwierigen Lebenssituationen nicht an uns verzweifeln, sondern uns immer noch liebenswert finden – wenigstens ein bisschen. Wissenschaftliche Studien beweisen, dass jeder Mensch einen anderen Menschen braucht, der ihn so anschaut. Es müssen nicht unbedingt die eigenen Eltern sein, aber ohne diese Unterstützung eines anderen Menschen geht es nicht.

Ich glaube, dass Gott uns Menschen mit einem liebevollen Elternblick betrachtet. Mit seinem Blick der Liebe, mit dem er uns anschaut. Und wie ein Baby durch den Blick der Liebe in einen Herzensprinz verwandelt wird, so kann auch dieser liebevolle Blick Gottes verwandeln. Zu Menschen, die sich trauen, aufrecht zu gehen. Auch wenn es einmal krumm läuft im Leben. Das schenkt jedem Tag einen besonderen Glanz. Und das strahlt aus und macht die Welt schöner. Wie das liebevolle Lächeln eines geliebten Menschen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42379
weiterlesen...