SWR1 Anstöße sonn- und feiertags
15. Juni – heute begehen Deutschland und die Bundeswehr ihren ersten nationalen Veteranentag mit einem Fest am Reichstag in Berlin sowie Veranstaltungen bundesweit.
Veteranen – ich merke, dass ich mit dem Begriff erst mal nicht viel anfangen kann. Ich kenne ihn am ehesten aus amerikanischen Fernsehserien, z.B. Navi-CIS oder JAG – im Auftrag der Ehre. Da geht’s um Militär, Kameradschaft, für Volk und Vaterland, Heldenverehrung… Dann fallen mir Bilder von meiner Reise in den Iran vor 10 Jahren ein: An fast allen Laternenmasten auf der Straße und auf jeder zweiten Hauswand: Fotos und Bilder von gefallenen Soldaten – aus der Zeit des Iran-Irak-Krieges in den 70ern und 80er Jahren. Schon wieder Heldenverehrung. Für Menschen, die für eine angeblich „gerechte“ Sache gekämpft haben.
Und ich muss an die Gedenktafel denken, die in einer Kirche hängt, an der ich früher Gemeindepfarrerin war: für die Gefallenen des Ortes im ersten und zweiten Weltkrieg. Darunter ein Bibelzitat: Niemand hat größere Liebe denn die, dass er sein Leben gibt für seine Freunde.“ (Joh 15, 13)
Ernsthaft? Waren die, die damals in den Kampf gezogen sind, Helden, die aus Liebe ihr Leben riskiert haben? Für Volk und Vaterland – für ihr zu Hause, ihre Familien?
Mag sein, dass manche das geglaubt haben. Aber das war wohl dich ein Irrtum. Und das Zitat aus der Bibel passt erst recht nicht: „Niemand hat größere Liebe denn die, das er sein Leben gebe für seine Freunde.“ Es ist nämlich Jesus, der das sagt. Er selbst ist bereit, sein Leben einzusetzen: aber es geht im sicher nicht um Volk und Vaterland. Schon gar nicht lässt er sich als kleiner Fußsoldat von einer Regierung oder irgendwelchen Machthabern in den Kampf schicken. Jesus kämpft ja nicht mal, er kämpft gegen niemanden. Sondern lässt sich für andere verhaften und hinrichten. Und siegt am Ende auf entwaffnende Weise.
Heute, am ersten Veteranentag der Bundesrepublik Deutschland, geht es zum Glück um etwas anderes. Es geht heute um Respekt und darum, das Engagement der Soldatinnen und Soldaten zu würdigen. Hoffentlich bleibt da so, auch bei allen Veteranentagen, die noch kommen werden. Es sollte um die Menschen gehen, und niemals wieder um Heldenverehrung oder Opferbereitschaft für irgendeinen Gott oder die eine „gute und gerechte Sache.“
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