SWR1 Anstöße sonn- und feiertags

08JUN2025
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Unsere Kinder sind für drei Tage ausgezogen. Jetzt über Pfingsten. Sie haben sich mit ihren Schlafsäcken bei Freunden einquartiert, in dem Dorf, in dem wir einige Jahre gelebt haben. Denn da, in Köngen, ist jetzt das große, traditionelle Pfingstfest. Vier Tage lang Musik und Rummelplatz, zusammen feiern, über den Pfingstmarkt bummeln.

Mein Sohn sagt, auf dem Pfingstfest sein, das fühlt sich an wie nach Hause kommen. Und genau das passiert dort tatsächlich: Viele, die übers Jahr woanders leben oder studieren, viele die irgendwann mal in Köngen zuhause waren – sie alle kommen an diesem Wochenende zurück.

So ist das auch bei vielen anderen Festen dieser Art im Land, beim Rutenfest in Ravensburg zum Beispiel oder dem Schäferlauf in Markgröningen.

Für mich sind solche Heimat- und Dorffeste echte Pfingstfeste. Weil ich da was spüre von dieser Kraft, vom pfingstlichen Geist, von dem die Bibel erzählt: Als Jesus gestorben war, haben sich die Jünger zuerst mal zurückgezogen und versteckt, weil sie Angst hatten. „Was passiert jetzt mit uns, wie geht’s weiter?“ Und dann wird vom Pfingstwunder erzählt: Feuerzungen tauchen am Himmel auf und legen sich auf die Jünger; ihre Angst ist plötzlich verschwunden, und sie fangen an befreit zu reden; und zwar in ganz verschiedenen Sprachen, die ihnen eigentlich fremd sind. Menschen aus vielen Ländern sind zu dem Zeitpunkt in Jerusalem. Und sie alle hören in ihrer Muttersprache, wie die Jünger begeistert von Gott erzählen. Es muss ein richtiger Freudentaumel gewesen sein, der sie erfasst. Manche glauben deshalb, die Jünger hätten wohl zu viel getrunken. Aber so war es nicht. Da war Gott im Spiel und jener Beistand, den er ihnen schickt; damit sie wieder Mut fassen und weitermachen. Heiliger Geist – das ist der Name dieses Beistands.

Gottes Geist wirkt, wo Menschen, wo Freunde zusammenkommen, wo sie sich erinnern und einander erzählen. Wo sie ihre Sorgen teilen, sich trösten und verstehen, und wo sie zusammen feiern. Pfingsten hat für mich deshalb auch mit Heimat zu tun. Mit einem Ort, an den ich kommen kann und verstanden werde. Vielleicht weil dort ein vertrauter Dialekt gesprochen wird oder weil gute Freunde genau wissen, wie es mir geht.

Das biblische Pfingsten gilt als die Geburtsstunde der christlichen Kirche, von da an, hat sich der Glaube in alle Welt verbreitet. Das Köngener Pfingstfest ist für meine Kinder jedes Jahr ein wichtiges Ereignis: Und nach drei Tagen und Nächten wird der Schlafsack dann wieder eingepackt und die Freunde gehen gestärkt und tatsächlich begeistert auseinander, wieder hinaus in die Welt.

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