Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Wenn Helga und ich sonntags unsere 10.000 Schritte tun, dann auch gern in den Thürer Wiesen in der Eifel. Wir nennen es „wandern“, weil wir ja Wanderschuhe anhaben. Hätten wir High Heels an, wäre es „spazieren gehen“. 10.000 Schritte eben.
Jedenfalls sind die Thürer Wiesen ein Paradies. In der Stille hört man Frösche und Kröten. Der Wind fegt oder säuselt durch die Schilfhalme. Auf den flachen Wassern glitzert die Sonne. Enten ziehen ihren Weg, Fliegen tanzen. Ein Traum.
Seit ein paar Jahren leben auch Wasserbüffel dort. Kost und Logis frei und sie machen ihren Job: halten die Flächen sauber von zu hoch wucherndem Grünzeug.
Dann passierte der Unfall. Ein LKW mit 30.000 Litern Öl im Tank kippte um und das Öl floss in die Natur. Obwohl blitzschnell viel Hilfe kam, lässt sich die Natur nicht so schnell in Ordnung bringen. Die Wasserbüffel hatten wenig Probleme. Aber die ganzen Wasservögel, Störche, Reiher, Enten. Und die Kleintiere: Fliegen, Lurche, Libellen, keine Ahnung, wie sie alle heißen. Die hatten echt Schwierigkeiten. Tranken Öl. Ihre Flügel verklebten sich. Manche erstickten unter den Öllachen. Ein großes Elend.
In Kirchwald ist die Wildvogelstation aufnahmebereit. Freiwillige fangen die Tiere und bringen sie in die Station. Dort werden sie gereinigt und gefüttert und beruhigt, bis in den Thürer Wiesen die Welt wieder einigermaßen in Ordnung ist.
Hier wird Geld gebraucht für Tierfutter und Reinigungsmittel und Spritkosten für die Transporte.
Und – oh Wunder – der Mensch, der seinesgleichen oft verachtet oder bekämpft oder hasst und niedermacht:
zu den Tieren ist der Mensch freundlich. Spendet Trost, gute Worte, Geld, tatkräftige Hilfe. Vor meiner Tür stand auch eine Tasche mit Decken und Handtüchern, die ich weitergeben sollte an die Wildvogelstation, da hab ich noch eine Tüte Vogelfutter dazu gelegt.
Ich finde es prima, dass Menschen Tieren in Not helfen.
Menschen in Not helfen, das finde ich auch gut.
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