SWR4 Abendgedanken
Freitagnachmittag, es ist schon spät, ich will unbedingt den Einkauf vor dem Wochenende noch erledigen. Meine Tochter lässt sich etwas widerwillig überreden, mich zu begleiten. Im Supermarkt sind wir ein eingespieltes Team: Ich schiebe den Einkaufwagen durch die Gänge, sie stapelt rein, was auf unserer Familieneinkaufliste steht, und dann stellen wir uns an einer der Kassen in der Schlange an. Natürlich haben wir uns wieder für die falsche entschieden. Prima, vorne findet wieder jemand seine Karte nicht. Es dauert, bis wir drankommen. Alle sind sichtbar genervt.
Jetzt beginnt der Teil, der mich zunehmend fordert: In Rekordgeschwindigkeit müssen alle Waren auf das Laufband gelegt und auf der anderen Seite der Kasse wieder in den Einkaufwagen einsortiert werden. Bloß niemand aufhalten. Alles hübsch sortieren, damit es flott geht. Fast haben wir es geschafft, da fragt die Verkäuferin plötzlich: „Wo steht eigentlich diese Limonade?“ „O, Mist“, denke ich, „jetzt fehlt auch noch der Preis“ und werde rot, weil sich in der Schlange hinter mir Nervosität ausbreitet. Also frage ich meine Tochter: "Kannst du mal den Preis für die Limo rausfinden? Du bist schneller!“ Aber die Verkäuferin lacht, sagt kurz nein, während sie fleißig weiter unsere Einkäufe scannt „den ganzen Tag ziehe ich diese Limo übers Band und frage mich, wie das Zeugs schmeckt. Steht ja „zum Mixen“ drauf. „Die schmeckt super!“, sagt auf einmal meine Tochter, „auch ohne Alkohol, das ist ja prima!“
„Wissen Sie was?“, sage ich, und plötzlich sind mir die wartenden Freitagnachmittagsmenschen in der Schlange ganz egal, „ich hole Ihnen jetzt so eine Flasche!“
Am Ende schenken wir der Verkäuferin eine Flasche Limonade. Sie strahlt - und wir strahlen. “Wissen Sie,“ sage ich, „Sie haben mich schon oft bedient und sind immer – auch im größten Stress freundlich. Und jetzt komme ich endlich mal dazu, Ihnen danke zu sagen.
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