Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Mein ganzes Leben lang bin ich schon Katholikin. Der christliche Glaube ist in meiner Familie das Fundament. Die katholische Kirchengemeinde St. Antonius in Vaihingen/Enz war viele Jahre eine Gemeinschaft, in der ich zuhause war. Ich war zwar nie mit allem einverstanden, was die katholische Kirche vertreten hat. Aber wie Jesus mit Menschen umgegangen ist, hat mich immer fasziniert. Mit dem Papst und der Kurie hatte ich nichts am Hut. Die pompösen Auftritte der Kardinäle in Rom waren mir unangenehm, eigentlich sogar peinlich. Bis Franziskus Papst wurde. Er hat Rituale und Kleidung vereinfacht und wieder erkennbar gemacht, was Jesus für die Menschen in der Welt wollte. Für eine kleine, aber doch wichtige Veränderung, bin ich Papst Franziskus besonders dankbar: Anders als seine Vorgänger hat er den Segen Urbi et Orbi an Ostern und an Weihnachten dafür genutzt für alle Menschen zu beten, die im Krieg leben. Diese Krisenherde und die verfeindeten Völker hat er einzeln benannt. Mir ist da erst bewusst geworden, dass ich von vielen bewaffneten Konflikten auf der Welt keine Ahnung habe. Papst Franziskus hat es geschafft, dass ich mir für einen Moment innerlich die Weltkarte vorgestellt habe, um mir das klarzumachen; er hat es geschafft, dass ich mich verbunden gefühlt habe mit denen, die das aushalten müssen; mit allen, die sterben mussten, die Angst haben oder die um tote Angehörige trauern. Das hat keinen der kriegerischen Konflikte verändert. Aber es ist ein Unterschied, ob ich auf der Seite der Gleichgültigen oder Mächtigen stehe oder auf der Seite der Menschen, die mitfühlen und Frieden wollen. Papst Franziskus wird für mich immer der Papst bleiben, mit dem ich erlebt habe, dass Jesus eindeutig auf der Seite der Benachteiligten einer Gesellschaft stand. Er hat seine Macht genutzt, zu zeigen, wie die Botschaft Jesu wirkt. Und jetzt empfinde ich es als ein Geschenk des Himmels, dass Leo der XIV zu seinem Nachfolger gewählt wurde. Es war der 08. Mai. Genau 80 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs. „Friede sei mit euch!“ Mit diesem Satz hat Leo XIV seinen Dienst begonnen. Ich hatte Gänsehaut.
Und ich habe seitdem so viel Hoffnung, dass der neue Papst sich genau dafür einsetzt.
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