SWR1 Anstöße sonn- und feiertags
Immer wieder taucht dieses Banner gerade irgendwo auf. An Kirchtürmen und Gemeindehäusern in Tübingen hängt es – mal hier, mal da. Wäre Jesus Klimaaktivist? Die Frage steht mit großen Buchstaben in schwarz, rot und blau auf dem weißen Leintuch. Wer vorbeiläuft oder heute am Sonntagmorgen zum Gottesdienst geht, kann es nicht übersehen. Demnächst wird es auch an unserem Gemeindezentrum aufgehängt.
Wäre Jesus Klimaaktivist? Manche rollen bei dieser Frage nur die Augen. Vom Thema Klima haben sie genug. Ich dagegen finde die Frage spannend. Weil sie zum eigenen Nachdenken anregt.
Was weiß ich über Jesus? Er wollte den Menschen Gott nahebringen. So würde ich zusammenfassen, was über ihn in der Bibel steht. Jesus wollte ihre Perspektive erweitern, damit sie nicht nur um sich selbst kreisen. Das Ziel für uns Menschen, hat Jesus immer wieder gesagt, ist das Reich Gottes. Also eine neue Welt, in der alle in Frieden und Gerechtigkeit leben – so, wie Gott es will.
Und Jesus hat etwas von dieser Welt, wie sie sein soll, sichtbar und spürbar gemacht. Aber: Wäre er deshalb heute Klimaaktivist?
Klar ist: Jesus hat seine Meinung deutlich gesagt. Er konnte auch provozieren und im Ton sehr scharf werden. Beim Thema Gerechtigkeit zum Beispiel ist er den Reichen gehörig auf die Füße getreten. Zum Reich Gottes gehört man nur, wenn man Verantwortung für andere übernimmt und sich nicht auf Kosten anderer bereichert, hat er gesagt.
Klar ist aber auch: Jesus ist für Gewaltlosigkeit eingetreten. Ein Aktivismus, der andere verletzt oder schädigt, wäre für ihn nicht in Frage gekommen. Obwohl: Eine Geschichte erzählt auch davon, wie Jesus im Tempel wutentbrannt die Tische der Händler umgeschmissen hat, weil er fand, dass es im Tempel ums Reich Gottes gehen sollte. Dass die Leute selbst da noch Geschäfte gemacht haben, fand er respektlos. Das hat ihn richtig wütend gemacht. Ich würde sagen: Sachbeschädigung war das schon. Und ich kann mir vorstellen, dass der respektlose Umgang mit Gottes Schöpfung heute Jesus genauso in Rage gebracht hätte.
Also: Wäre Jesus Klimaaktivist? Die Frage lässt sich nicht so einfach beantworten. Aber ich tendiere zu: Ja! Jesus würde sich dafür einsetzen, die Erderwärmung zu stoppen. Aus Respekt vor Gott und seiner Schöpfung – und um unserer selbst willen. Weil durch die Klimaveränderung viele Tier- und Pflanzenarten aussterben. Und weil auch Menschen ihre Lebensgrundlage verlieren – und es die Armen dabei besonders trifft. So soll es nicht sein im Reich Gottes, würde Jesus sagen. Und er würde dabei ziemlich deutlich werden.
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