SWR Kultur Wort zum Tag

17JUN2025
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„Warum es die Welt nicht gibt.“ – das ist der Buchtitel des deutschen Philosophen Markus Gabriel. Die Welt gibt es nicht? Wie meint er das? Natürlich gibt es Tische, Bäume, uns Menschen. Gabriel meint etwas anderes: Es gibt nicht die eine große, allumfassende Welt, über die wir als Ganzes nachdenken und sie verstehen könnten.

Stattdessen, so Gabriel, gibt es unzählige einzelne Bereiche, „Sinnfelder“, wie er sie nennt. Wir können zum Beispiel über gesunde Ernährung nachdenken – das ist ein Feld. Oder über die Zukunft des Verkehrs – das ist ein anderes Feld. Aber diese Felder, sagt Gabriel, fügen sich nicht zu einem großen Ganzen zusammen. Aus all dem, lässt sich keine große „Sinn-Suppe“ kochen. Es gibt keine übergeordnete Beschreibung, keine „Weltformel“, die alles erklärt. Auch die Naturwissenschaften helfen nur teilweise weiter. Deshalb sein provokanter Satz: Die Welt gibt es nicht.

Wenn das stimmt, dann haben Philosophie und Theologie jahrtausendelang die falschen Fragen gestellt. Warum sind wir hier? Wozu gibt es die Welt? Laut Gabriel führen uns diese Fragen nicht weiter, weil es die „Welt“ so gar nicht gibt. Ein radikaler Gedanke, der mit großen Denkern wie Platon, Augustinus oder Hegel bricht.

Sinn finden wir immer nur in Teilbereichen: Was ist mir in meiner Partnerschaft wichtig? Was in meinem Glauben?

Ich gebe zu: Als Christ irritiert mich das. Denn versucht nicht gerade die Religion zu erklären, warum es die Welt gibt. Der Glaube an Gott geht über den Alltag hinaus. Als Christ frage ich nach dem größeren Zusammenhang, nach Gott als dem Grund und Ziel von allem.

Markus Gabriel sagt nicht, dass es Gott nicht gibt! Er stellt fest: Wenn viele Menschen an Gott glauben, wenn dieser Glaube ihr Leben prägt, Trost spendet, Gemeinschaft stiftet – dann entsteht daraus etwas sehr Reales, etwas Wirksames. Dann gibt es diesen Gott im Sinnfeld des Glaubens.

Eine ganz neue Philosophie! Markus Gabriel traut sich was und will die Philosophie wieder zur Königin der Wissenschaften machen. Ich bin fasziniert. Was wäre, wenn die Theologie sich daran ein Beispiel nimmt? Wenn wir Gott neu denken? Kann Gott sich verändern oder „lernen“? Welche neuen Wege gibt es, um Gott tiefer zu verstehen? Denn Philosophie und Theologie sind wie zwei Partner beim Tanz. Wenn sich die eine regt, kommt auch der andere in Bewegung.

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