SWR Kultur Wort zum Tag

16JUN2025
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Auf der Autobahn habe ich einen Krankenwagen gesehen, der ein ukrainisches Kennzeichen hatte. Da bin ich richtig zusammengezuckt. Ich musste an die Menschen denken, die nach Deutschland gebracht werden, um medizinische Hilfe zu bekommen. Viele Soldaten, aber auch Zivilisten: Frauen, Männer, Kinder, die Opfer eines der vielen Angriffe wurden. Weit über tausend Menschen hat Deutschland seit Kriegsbeginn hier versorgt.

Der Krieg in der Ukraine dauert nun schon so lange. Und ja, ich gebe es zu, ein Stück weit ist er für mich Alltag geworden. Ich lese noch die Schlagzeilen, aber bin schon abgestumpft. Katastrophe reiht sich an Katastrophe.

Wenn ich Ukrainerinnen oder Ukrainer treffe, dann rede ich mit Ihnen lieber über das Thema Familie oder über die Arbeit. Zum Beispiel mit Maksym, den ich beim Fußball kennen gelernt habe. Auf den Krieg spreche ich ihn lieber nicht an. Da wüsste ich nicht, wie ich reagieren soll, wenn er anfängt zu erzählen, was er erleben musste.

Aber der ukrainische Krankenwagen auf der Autobahn ruft mir in Erinnerung: Dort, nicht so weit weg, leiden Menschen. Ganz konkret.

Ich erinnere mich an die Zeiten, da dachte ich, dem Pazifismus gehört die Zukunft. Dass wir in Europa dazu gelernt hätten. Dass Menschen doch nicht so verrückt sein können, wieder aufeinander zu schießen und Grenzen gewaltsam zu verschieben. Über Friedensethik wollte ich diskutieren – das Thema hat mich interessiert.

Aber jetzt? Gibt es auch eine Kriegsethik? Gibt es ein richtiges Handeln inmitten von Zerstörung und Tod? Mehr Waffen, mehr Soldaten? Wenn so viele Menschen sterben, verletzt werden, traumatisiert sind?

Eines weiß ich ganz sicher: Es ist richtig, den Verletzten zu helfen. Ihnen beizustehen, ihre Wunden zu versorgen, ihnen Schutz zu bieten. Ja, das kostet Geld. Es fordert Ressourcen in einem Gesundheitssystem, das ohnehin oft an seine Grenzen stößt. Und doch: Ich bin dankbar, dass wir das tun.

Mein Dank gilt all jenen Menschen, die sich hier engagieren. Den Ärztinnen und Pflegern, den Rettungskräften, den Organisatoren im Hintergrund, all denen, die diese Kriegsverletzten versorgen und sie wieder hoffen lassen

Dieser Krankenwagen ist für mich ein Symbol. Ein Symbol für das Leid des Krieges, das bis zu uns reicht. Aber auch ein Symbol für die Hilfe, die möglich ist.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42285
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