Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
„Schaut nicht hinauf, der Herr ist hier bei uns.“ So heißt ein Kirchenlied, das ich als Jugendlicher häufig und auch gerne gesungen habe. Der Text bezieht sich auf das morgige Fest Christi Himmelfahrt. Die Geschichte dazu: Es ist nach Ostern. Jesus ist als der, der auferstanden ist, bei seinen Jüngern. Er verspricht ihnen, den Heiligen Geist zu schicken. Und dann passiert es: Eine Wolke umhüllt ihn – so heißt es wörtlich – und entzieht ihn den Blicken der Jünger. Die schauen hinterher Richtung Himmel und gucken dabei wohl ein bisschen dumm aus der Wäsche. Zwei Männer in weißen Gewändern, also vielleicht so was wie Engel, treten auf und sagen zu den Jüngern: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von Euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.“
„Schaut nicht hinauf, der Herr ist hier bei uns.“ Haben wir als Jugendliche daraus gemacht. Nicht in den Himmel klotzen und Jesus hinterher weinen, sondern hier auf der Erde anpacken und die Ideen Jesu umsetzen. Im Prinzip sehe ich das heute als älterer Christ immer noch so. Mit dem Kopf im Himmel, aber mit beiden Beinen auf der Erde, so sollten wir als Christen leben. Im Kopf und auch im Herzen die Ideen Jesu und mit den Händen und den Füßen daran arbeiten, dass sie Wirklichkeit werden. Nur weiß ich heute, dass das leider oft nicht gelingt. Nicht nur den andern nicht, sondern auch mir selbst nicht. Meine Bilanz diesbezüglich finde ich eher bescheiden. Und deshalb bin ich da heute vorsichtiger mit der Aussage: „Der Herr ist hier bei uns, der Kirche.“ Vielleicht ist er ja wo ganz anders, da wo ich ihn am wenigsten vermute. Aber egal, wo er ist. Auf alle Fälle gilt: Nur zum Himmel raufklotzen und fromm dastehen, das genügt nicht.
