Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Im Herbst fange ich eine neue Stelle an. Das heißt nicht nur neue Aufgaben und neue Kolleginnen und Kollegen. Sondern auch: ich muss eine neue Wohnung suchen, neue Wege zum Einkaufen, zum Sport finden und, und, und... Jede Menge Neues. In mir ist ein ganzer Gefühlscocktail aus Vorfreude und Neugier, Ängstlichkeit und Abschiedsschmerz. Und sobald ich daran denke, kreisen jede Menge Fragen durch meinen Kopf: wie wird es werden? Was erwartet mich?
In der Bibel habe ich eine Stelle entdeckt, bei der Menschen auch an so einem Übergang stehen. Ein Übergang zwischen dem, was gewohnt und vertraut ist, und dem Neuen.
Das Volk Israel ist nach dem Auszug aus Ägypten schon lange unterwegs. Und irgendwann stehen sie endlich am Jordan. Auf der anderen Seite liegt das „gelobte Land“, das sie so gerne erreichen wollen. Aber der Jordan hat Hochwasser und weit und breit ist keine Brücke in Sicht.
Da meldet sich Josua, ihr Anführer, zu Wort und sagt zu den Priestern: „Heiligt euch, denn morgen wird der HERR mitten unter euch Wunder tun. … Nehmt die Bundeslade und zieht dem Volk voran!“ (Jos 3,5f.) Das klingt zunächst etwas seltsam. „Heiligt euch“ könnte bedeuten, sich bewusst zu machen, dass der Mensch auch heilig ist, d.h. eine Verbindung nach oben hat. Und dass man sich daran erinnert: nicht alles liegt in meiner Hand. Auch wenn ich vieles kann, Gott ist größer. Es lohnt sich, mit ihm zu rechnen. Und die „Bundeslade“, die sie mitnehmen sollen, ist eine Truhe mit den Steintafeln, auf denen die zehn Gebote stehen. Sie ist ein Symbol für die Verbindung mit Gott und dafür, dass Gott sie schon lange auf diesem Weg begleitet hat.
Am nächsten Morgen wagen sich die Israeliten ins Wasser des Jordans. Und tatsächlich. Als sie ihre Füße ins Wasser tauchen, weicht der Jordan zurück. Der Weg ist frei. Ausgerechnet dieser Moment, in dem alles so aussieht, als ob es nicht weitergeht, wird zum Moment, in denen Gott ihnen besonders nah ist. Wie gut, dass sie riskiert haben, sich die Füße nass zu machen. Sonst wären sie da noch lange gestanden.
Ich wünsche allen, die gerade auch an so einem Übergang stehen, weil sie wie ich die Stelle wechseln oder nach der Schule eine Ausbildung oder ein Studium anfangen, weil sie heiraten oder sich trennen, ein Kind bekommen, umziehen, in Rente gehen oder sonst vor irgendeiner Veränderung stehen: Habt Mut die Füße ins Wasser zu stecken. Tretet Euren Ängsten entgegen und vertraut auch darauf: Gott ist mit dabei!
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