Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

24MAI2025
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Wann habe ich eigentlich zuletzt etwas wirklich Mutiges gemacht? Also etwas, bei dem nicht die Versicherung den Schaden übernimmt, wenn es schief geht? Etwas, bei dem ich mit meiner Meinung anecke? Etwas, bei dem nicht alle gleich Beifall klatschen oder mich wohlwollend wahrnehmen und wieder vergessen?

Ich habe mir diese Frage gestellt, als ich durch eine Ausstellung gegangen bin, in der an den Bauernkrieg vor 500 Jahren und die Anfänge der Täuferbewegung erinnert wird.

Michael Sattler zum Beispiel. Er gehört zu den weniger bekannten Reformatoren. Beeinflusst von Martin Luther und Huldrych Zwingli ging er weiter als diese. Konsequente Gewaltfreiheit entdeckte er in der Lehre von Jesus und die Freiheit, den Glauben selbst zu wählen und deshalb auf die Taufe von Säuglingen zu verzichten.

Doch damit nicht genug! Er lehrte das auch! Und das war mutig. Er wurde aus mehreren Städten ausgewiesen, in denen er Gemeinden gegründet und organisiert hatte, aus Zürich und Straßburg zum Beispiel. Und schließlich wurde er vor Gericht gestellt und wegen seiner Aussagen gefoltert und verbrannt. Das war 1527 in Rottenburg am Neckar.

Solcher Mut lässt mich staunen und fragen: Wann habe ich eigentlich zuletzt etwas wirklich Mutiges gemacht? Martin Luther King fällt mir natürlich ein, der mit seinem gewaltlosen Widerstand mehr als einmal ins Gefängnis kam. Für Gleichbehandlung aller Menschen ist er eingestanden mehr als einmal wurde er verletzt und schließlich ermordet. „Niemand weiß wirklich, wofür er lebt“ hat er gesagt, „wenn er nicht weiß, wofür er sterben würde.“

Meine Frage hat sich verändert, so merke ich. Ich frage: Weiß ich, wofür ich lebe? Weiß ich zumindest, wofür ich bereit bin, mutig zu sein?

Sandra Bils fällt mir ein, die auf dem Kirchentag 2019 den Satz gepredigt hat: „Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.“ Nein, sie wurde zum Glück nicht umgebracht. Aber sie und andere haben das angedroht bekommen.

Solcher Mut lässt mich staunen. Aber reicht das? Weder Sandra Bils noch Martin Luther King oder Michael Sattler wollten bestaunt werden. Sie haben gehandelt. Und im besten Falle handeln auch die, die den Mut bewundern.

Die Frage, die mich beschäftigt, will ich Ihnen heute mit ins Wochenende geben: Weiß ich, wofür ich lebe? Wofür bin ich bereit, mutig zu sein?

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42206
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