Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

23MAI2025
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In einem Dorf in Georgien wollten aufgebrachte Christen verhindern, dass sich Muslime zum Freitagsgebet treffen. Sie blockierten den Zugang zu dem Haus, in dem der Gebetsraum war.

Die Baptistengemeinde vor Ort hatte davon erfahren und die Pastoren verschiedener Gemeinden kamen zusammen und bahnten für die, die beten wollten, einen Weg durch die Menschenmasse. 

Warum? Warum haben sich Christen gegen andere Christen und für die muslimische Minderheit eingesetzt? Die Antwort lag für die Pastoren in der Aufforderung von Jesus: „Behandelt eure Mitmenschen so, wie ihr von ihnen behandelt werden wollt.“ (zitiert in Matthäus 7,12)

Gerade bei der Religionsfreiheit müssten Christinnen und Christen also ganz vorn dabei sein. Und tatsächlich waren es oft christliche Akteure, die sich für das eingesetzt haben, was heute in den UN-Menschenrechten in Artikel 18 ausgeführt wird.

Ein bisschen stolz bin ich schon, dass Julius Köbner aus meiner Glaubenstradition kommt, der Tradition der Baptisten. Er hat 1848, also schon 100 Jahre bevor die Menschenrechte formuliert wurden, ein Manifest geschrieben. (Das haben damals wohl ziemlich viele Intellektuelle getan.) Er forderte für die Baptisten, eine kleine religiöse, christliche Minderheit, dass sie ihren Glauben frei ausüben dürfen.

Aber er hat noch mehr gefordert! Er schreibt:

Aber wir behaupten nicht nur unsre religiöse Freiheit, sondern wir fordern sie für jeden Menschen, der den Boden des Vaterlandes bewohnt, wir fordern sie in völlig gleichem Maße für Alle, seien sie Christen, Juden, Muhamedaner oder was sonst. Wir halten es (…) für eine höchst unchristliche Sünde, die eiserne Faust der Gewalt an die Gottesverehrung irgend eines Menschen zu legen, …

(Julius Köbner, 1848, Manifest des freien Urchristenthums an das deutsche Volk)

1848 war das. Heute, 177 Jahre später, muss das leider immer noch eingefordert werden. In unserem Land dürfen, rein rechtlich gesehen, alle so leben, wie es ihrer Religion entspricht. In den Köpfen allerdings… in den Köpfen sind wir manches Mal weit davon entfernt. Nicht nur in Georgien braucht es deshalb Menschen, die sich und andere daran erinnern: „Behandelt eure Mitmenschen so, wie ihr von ihnen behandelt werden wollt.“ Und ja, das muss man nicht nur Christinnen und Christen sagen, sondern wirklich allen! Aber Jesus hat es eben zuerst einmal denen gesagt, die ihm nachfolgen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42205
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