SWR1 3vor8

18MAI2025
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Glauben Sie fragte man mich

An ein Leben nach dem Tode

Und ich antwortete: ja

Aber dann wußte ich

Keine Auskunft zu geben

Wie das aussehen sollte

Wie ich selber

Aussehen sollte

Dort

 

So beginnt ein Gedicht von Marie-Luise Kaschnitz. Aber das könnte genauso auch ich sagen, wenn mich jemand nach der Auferstehung fragt. Ja, ich glaube daran. Aber wie es dort aussieht im Himmel, wenn denn das Wort überhaupt passt, das weiß ich nicht. Das Gedicht von Kaschnitz trägt den Titel: Ein Leben nach dem Tode. Sie hat jahrelang um ihren Mann getrauert, sich immer wieder in Gedichten mit dem Thema Tod auseinandergesetzt  und dann zwei Jahre vor ihrem eigenen diese Verse aufgeschrieben. Sie sind ehrlich, weil sie sich nicht in bekannte Bilder flüchten, die eine scheinbare Sicherheit vorgaukeln. Kaschnitz trauert immer noch um ihren Mann. Und weiß nicht, was auf sie zukommt, wenn sie selbst einmal stirbt.

Wahrscheinlich muss ich das genauso aushalten, wenn ich ehrlich mit mir bin. Aber wirklich aushalten kann ich es nur, wenn dann noch etwas dazukommt. Etwas, das mich beschäftigt, solange ich in der Bibel lese, diese auslege und anderen daraus Hoffnung zuspreche. Die Gedanken der Bibel sind für mich mehr als Worte, die Menschen vor zweitausend Jahren aufgeschrieben haben. Die Bibel ist mein Hoffnungsbuch, in dem ich die Worte finde, die ich allein in mir nicht finden kann. Worte wie die, die heute in den katholischen Gottesdiensten gelesen werden:

Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; (…) Er, (Gott) wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal.

Denn was früher war, ist vergangen. Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu.

Daran richte ich mich auf, wenn ich nicht weiß, was das ist mit dem Tod, wenn ich zweifle und zu verzweifeln beginne, wenn ich an einem Grab stehe. Dann tröstet es mich, dass sich schon so viele Menschen daran aufgerichtet haben, denen es so ging wie mir.

Die Bibel erzählt mir von Gott, der den Tod nicht akzeptiert, weil er liebt. Dass ich auch lieben kann. Dass die Liebe stärker ist als der Tod. Und daran hat sich auch Marie-Luise Kaschnitz festgehalten, wenn sie in ihrem Gedicht schreibt, wie sie sich das Leben nach dem Tod vorstellt:

Nur Liebe frei gewordne

Niemals aufgezehrte

Mich überflutend.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42178
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