SWR Kultur Wort zum Tag

17MAI2025
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Im neuen evangelischen Gesangbuch ist es gesetzt, und in einer Hitliste der beliebtesten Kirchenlieder findet es sich ganz oben: Das Lied „Von guten Mächten“, gedichtet vom evangelischen Theologen und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer. Selbst manche überzeugten Atheisten singen bei Beerdigungen angerührt mit: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.“

In diesem Jahr denken wir besonders an Dietrich Bonhoeffer. 1945, kurz vor Ende der Nazidiktatur, ist er ermordet worden, auf Befehl Adolf Hitlers. Es hat schon eine Pointe: Adolf Hitler war es ein persönliches Anliegen, dass Dietrich Bonhoeffer umgebracht wurde, doch seine Gedanken und seine Botschaft hat das nicht töten können, im Gegenteil. Das Lied „Von guten Mächten“ wirkt zeitlos aktuell und wird auch von Menschen gesungen, die nicht wie Bonhoeffer im Gefängnis sitzen. Menschen sehnen sich in schwierigen Situationen nach dem Trost, trotzdem gehalten und begleitet zu sein.

Bonhoeffer dichtet: Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern, des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand. Selbst diese Zeilen verhöhnen Adolf Hitler und seine Schergen. Denn Bonhoeffer redet zu Gott. Du reichst mir den schweren Kelch. Er spricht damit Adolf Hitler und seinen Kerkermeistern die Machtbefugnis über ihn ab. Sie mögen sich einbilden, dass sie über sein Leben und seinen Tod verfügen können. Doch es ist Gott, der die Macht im Himmel und auf Erden hat. Bonhoeffers Haltung trotzt der Herrschaft des Terrors. Diese Haltung können sie nicht töten. Nicht einmal verletzen. Bonhoeffers Haltung ermutigt Menschen bis in die Gegenwart. Ich erkenne heute, welch ungeheure Kraft sich so entfalten kann.

Bonhoeffer nimmt um sich eine unsichtbare Welt wahr, die ihn tröstet. Er zeigt sie uns in seinem Gedicht. So hilft er mir und vielen anderen, diesen – wie er es nennt - vollen, zugleich stillen Klang wahrzunehmen, mitten im Gedröhn der Gewalt, im Lärm des Alltags.

Nicht alle Hoffnungen werden sich erfüllen, kein Mensch bleibt vom Leid verschont. Aber wir werden behütet sein, getröstet und gerettet. Wie Bonhoeffer dichtet: Von guten Mächten wunderbar geborgen, behütet und getröstet wunderbar.

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