SWR Kultur Wort zum Tag

13MAI2025
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„Sogar Gott wären deutsche Kirchentage peinlich“, meint der Kolumnist Harald Martenstein in der „Welt“. Klar wird dabei in erster Linie, was dem arrivierten und privilegierten Journalisten Martenstein peinlich ist: Veranstaltungen wie „Transsein und Christsein“ oder „Die Bibel queer gelesen“ findet er nicht mutig, sondern Ausdruck zeitgeistiger Anbiederung. Emma dagegen findet es ermutigend und stärkend, was sie auf dem Kirchentag erlebt hat. Emma ist transgender, das heißt, sie ist in einem männlichen Körper geboren, der nie zu ihrem emotionalen und körperlichen Erleben gepasst hat. Viele Jahre lang hat sie therapeutische Begleitung erfahren und sich schließlich für geschlechtsangleichende Maßnahmen entschieden. Das hat  in ihrem Fall eine Hormontherapie und mehrere Operationen bedeutet. Nun ist sie die, die sie schon immer gewesen ist und wie sie sich auch von Gott von Anfang an erkannt wusste. So sagt sie es.

Viele Jahre lang hat sie im familiären und sozialen Umfeld Anfeindung und Unverständnis erlebt. Aber es sind auch Menschen an ihrer Seite geblieben und haben sie unterstützt und ihr den Rücken gestärkt. „Das sind die Engel auf meinem Weg, ohne die ich es nicht geschafft hätte“, erklärt sie mir. Und Gott ist in ihrem Erleben stets an ihrer Seite geblieben. Auch in Krisen und im tiefsten Schmerz über ihr Leben.  
Emma ist als kleines Kind auf einen männlichen Namen getauft worden. Diese Taufe gilt natürlich weiterhin. Dennoch ist es ihr wichtig, dass sie mit ihrem selbst gewählten Namen angesprochen wird und dass sie mit diesem Namen auch gesegnet wird. Und genau das ist an einem Abend auf dem Kirchentag passiert.

Eine volle Kirche, tolle Musik und eine einfühlsame Ansprache werden für sie und viele andere zum sicheren Ort, an dem ihr Herz aufgeht und die Seele atmen kann. 50 Personen haben für diesen besonderen Anlass eine Kerze mit ihrem Namen gestaltet. In einem Segenskreis sind sie einzeln vorgetreten und haben ihren selbst gewählten Namen gesagt und ihre Kerze an der Osterkerze angezündet. Anschließend sind sie von zwei Pfarrpersonen einzeln gesegnet worden.

Segen, das heißt auf Deutsch so viel wie Gutes wünschen und um Schutz bitten, der nicht von Menschen kommt, sondern von Gott.

„Als ich meinen Namen gesagt habe und die Pfarrerin mir die Hand aufgelegt und mich gesegnet hat, habe ich angefangen zu weinen“, erzählt Emma weiter. „Da ist so viel Leid und Schmerz von mir abgefallen.“ Tatsächlich haben an jenem Abend viele in der Kirche geweint. Es ist ein Abend, an dem ein liebevolles Miteinander spürbar wird. Alle können so sein, wie sie sind. Denn sie sind alle Gottes Kinder. Das kann ihnen niemand nehmen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42173
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