SWR Kultur Wort zum Tag

21MAI2025
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Neuerdings ist viel von seltenen Erden die Rede. Das sind Erze, die z.B. für die Herstellung von Handys oder Elektroautos dringend gebraucht werden. Mir gefällt der Ausdruck, lässt er doch das Kostbare und Wichtige dieser Rohstoffe ahnen. Und zugleich lässt er mich fragen, warum nicht   Einzahl: eine einzige seltene Erde im Ganzen?  Dass es diese Mutter Erde im Universum gibt, ist ja erst recht ein seltenes Kabinettstück. Jeder Fleck Erdboden, auf dem wir so verlässlich stehen, ist ja bei Licht besehen nicht selbstverständlich. Jede Handvoll Erde im Garten ist kostbar.  Jetzt, wo die Versteppung und Verwüstung der Erde immer gefährlicher zunimmt, gilt es das umso mehr zu würdigen und zu schätzen. Wir leben nicht im Himmel, sondern auf Erden, irdisch durch und durch.

In diesen Tagen zwischen Ostern und Pfingsten ist viel vom Heiligen Geist die Rede, jedenfalls unter Christenmenschen. “Komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein“ - als wären wir von allen guten Geistern verlassen und hätten nichts nötiger als diese gute, göttliche Energie. Wer in die Welt schaut, könnte in der Tat zu dieser deprimierenden Diagnose kommen. Denn mit Geist ist nicht eine weltabgehobene Kraft gemeint, schon gar nicht etwas bloß Verkopftes. Nein, es geht um die Musik im Ganzen, um die ganz konkrete irdische Wirklichkeit, darum, wie wir die Welt gestalten und was uns antreibt. Gottes Geist erdet. Das lässt sich an der Lebensart Jesu erkennen. Die Leute spürten, wes Geistes Kind er ist. Wir alle wissen zutiefst, was gut ist und guttut. Nichts ist nötiger als guter, heiler und heiligender Geist.

Das lateinische Wort für Erde heißt humus. Es geht um jene Erde, die wir im Garten in die Hand nehmen, auf der wir stehen, ja die wir sind. „Staub bist du, und zum Staube kehrst zurück“, lautet der alte ernüchternde Satz, mit dem wir in den Schoß der Mutter Erde zurückkehren.  Und das lateinische Wort für Demut heißt humilitas, irdisch werden und auf den Boden der Tatsachen kommen. Nicht herum spinnen und hoch hinauswollen, nicht herum jammern und das Irdische schlechtmachen. Nein, der Heilige Geist erdet den Himmel und himmelt die Erde an, er macht menschlich, mitmenschlich und zutiefst irdisch.  Seltene Erden. Seltene Erde. Komm, Heiliger Geist, gib uns Erdnähe und Bodenhaftung.

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