SWR Kultur Wort zum Tag
Einmal fragte ich Franz Kamphaus, den verstorbenen Bischof von Limburg: „hast du eigentlich Bilder für das, was im Tod auf Dich zukommt, und wo wir hingehen.“ Lange schwieg er und dann sagte er wie von weit her: „Feuer“. Ich war total überrascht, wir haben es nicht weiter besprochen, aber mir wurde immer klarer: da spricht ein Begeisterter. In seinem Leben und Wirken brannte das Feuer jener großen Leidenschaft, die Christenmenschen Glaube nennen. „Verkündet den Armen die frohe Botschaft von Jesus“ – das war das Motto seines Lebens und dafür brannte er. Es ist eine Lebensfrage für jeden von uns: wofür brenne ich, wovon bin ich begeistert, worauf hoffe ich?
Jetzt in diesen Tagen zwischen Ostern und Pfingsten muss ich oft daran denken: dringend bitten wir Christen um das Feuer des Heiligen Geistes. „Dich sendet Gottes Allmacht aus im Feuer und im Sturmes Braus, du öffnest uns den stummen Mund und machst der Welt die Wahrheit kund“. So heißt es in einem alten Pfingstlied. „Entzünd in uns des Lichtes Schein, gieß Liebe in die Herzen ein, stärk unsres Leibs Gebrechlichkeit mit deiner Kraft zu jeder Zeit.“
Aber ehrlich gesagt: das deutsche Wort „Geist“ klingt so vergeistigt, so abgehoben und luftig. Viele können damit nichts anfangen. Ich übersetze „Geist“ hier gerne mit Energie, es geht ja um eine göttliche Wirkmacht, die Menschen bewegt und begeistert, wie Bischof Kamphaus. Nicht zufällig haben wir derzeit das Thema „Sonnenenergie“ auf der Tagesordnung. Dieser Feuerball namens Sonne ist eine wunderbare Energiequelle. Kein Zufall, dass unsere Vorfahren in den Religionen diesen himmlischen Licht- und Wärmespender zum Symbol gemacht haben für alles, was Licht und Leben schenkt. „Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf in unserer Zeit“. In der pfingstlichen Bitte an den Heiligen Geist geht es um Lebensenergie. „Entzünde das Feuer deiner Liebe in uns „, beten wir dann. Sonnenenergie auf den Dächern der Häuser und Balkone, vor allem aber in unseren Herzen und Beziehungen. Wie bei Bischof Kamphaus heißt es im Kirchenlied: „Entflamme Sinne und Gemüt, dass Liebe unser Herz durchglüht, und unser schwaches Fleisch und Blut in deiner Kraft das Gute tut.“
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