SWR4 Feiertagsgedanken
Ein Feiertag wie der Erste Mai kann zwiespältig sein. Einerseits gut, vom Alltag ein bisschen Abstand zu gewinnen – gerade am Tag der Arbeit – und weil man einfach mal alles liegen lassen und raus kann, so zwischendurch. Andererseits: Was ist, aber wenn einem gerade an so einem Tag, die Sorgen und Ängste noch stärker packen als sonst?
Ich erinnere mich noch gut, wie es mir einmal mit einer neuen Aufgabe ging, auf die ich mich richtig gefreut hatte. Ein neuer Arbeitsbereich, neue Aufgaben. Aber es war dann schon nach kurzer Zeit alles wie blockiert. Ich hatte den Eindruck, da braucht man mich nicht. Im Gegenteil. Ich störe eher. Ich war freudig ins kalte Wasser gesprungen, aber auf die Untiefen und Strudel war ich nicht gefasst. Damals war ich echt verzweifelt, wusste auch nicht, wie ich das ändern kann. Und gerade in den ruhigen Stunden fragte ich mich: Soll ich einfach alles hinwerfen?
Aber freie Tage wie der Tag der Arbeit bieten auch die Chance, sich anders mit solchen Fragen und Problemen auseinanderzusetzen. Mir hilft oft ein Spaziergang über die Felder oder durch den Wald. Da werde ich ruhiger und kann auch wieder weitersehen, sogar über das Bedrückende hinaus. Damals habe ich viel gebetet, auch beim Laufen durch den Wald. Ich habe mit mir und mit Gott um den richtigen Weg und Ausweg gerungen, aber längere Zeit hat sich einfach keine Änderung ergeben. Es war, als ob sich nichts mehr vor oder zurückbewegen ließe. Alles war wie festgefahren.
Erst später wurde mir bewusst, dass genau dieses Gefühl und diese Situation zur Grunderfahrung fast jedes Menschen gehört. Und damit auch den Glauben an Gott betrifft. Wahrscheinlich kommt jeder Mensch irgendwann an so einen Punkt, an die Grenze der eigenen Möglichkeiten.
Mir hat in dieser Situation ein Bibelvers geholfen. Er steht im Buch des Propheten Jesaja (43,16). Und dieses Wort des Propheten erinnert daran, dass es mit Gott weiter geht, auch wenn ich nicht weiterweiß. Da heißt es: „Der HERR macht im Meer einen Weg und in starken Wassern Bahn.“
Ein Bibelwort, das meine Erfahrungen von damals genau trifft: Ich war ins kalte Wasser gesprungen, bin dann aber fast untergegangen und mit meiner neuen Aufgabe nicht fertig geworden.
Aber Gott kennt einen Weg. Und hilft durch die Untiefen des Lebens hindurch. „Der HERR macht im Meer einen Weg und in starken Wassern Bahn.“
Gott schenkt einen Ausweg mitten durchs Meer? Sozusagen eine Wassertaufe in der größten Schwierigkeit, ohne dass die Menschen dabei nass werden? Diese Geschichte hat sich den Israeliten tief eingeprägt
Nach Jahren der Sklaverei in Ägypten wurden sie befreit. Sie erlebten, dass Gott sie von der Sklaverei befreite und sie machten sich unter der Führung von Mose auf den Weg in die Heimat ihrer Vorfahren. Aber der Pharao, der König Ägyptens gab nicht auf und verfolgte sie. Hinter ihnen das ägyptische Heer, also die Sklaverei oder sogar der Tod, und vor ihnen auch nichts anderes als der Tod, das unüberwindbar tiefe Wasser des Meeres.
Und so, wie in der biblischen Erzählung fühlt sich das Leben manchmal an. Auch damals bei mir, als ich bei meiner Arbeit nicht weiterwusste: kein Ausweg, weder vorwärts noch zur Seite oder gar zurück. Wohin jetzt noch?
Mose suchte in dieser Verzweiflung Gott. Und von ihm erhielt er Zuspruch und auch die Weisung für den nächsten Schritt. Hinter den Israeliten baute sich eine Wolkensäule auf, dunkel und voller Blitze, ein wahres Unwetter, das die Ägypter von den Israeliten trennte und sie zurückhielt. Und Mose streckte seine Hand übers Meer aus. Ein starker Ostwind kam auf, das Wasser wich zurück, das Meer spaltete sich und die Israeliten, Männer, Frauen und Kinder, Wagen und Vieh, alle konnten trocken durchs Meer, durch die eigentlich tödlichen Fluten hindurchziehen, die sich nun irgendwie aufstauten. Als der Pharao ihnen kurze Zeit später mit seinem Heer folgen wollte, flutete das Wasser zurück und vernichtete die ganze Streitmacht.
Und wie geht es Ihnen? Was blockiert sie oder was sitzt Ihnen im Genick? Was ist Ihr Meer, Ihr Pharao, der sie verfolgt und bedrängt, Ihre Situation, die keinen Ausweg mehr lässt? Was verfolgt Sie bis in den Feiertag hinein scheint unüberwindbar?
Jesaja ermutigte die Menschen seiner Zeit dieser Erfahrung, die wegweisend wurde: „Der HERR macht im Meer einen Weg und in starken Wassern Bahn.“
Er macht Mut, Ausschau zu halten nach einem Ausweg, wo es bisher nichts gab. Nach einem kleinen oder großen Wunder. Und man kann nur staunen, wie Gott führt. Mir jedenfalls ging es in der damals verfahrenen Situation so.
Und das wünsche ich auch Ihnen, nicht nur eine vage Hoffnung, sondern Gottes Hilfe, einen gangbaren Weg, und heute einen gesegneten Feiertag.
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