SWR4 Sonntagsgedanken

27APR2025
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Raumschiff Enterprise ist eine super Sciences Fiction-Serie. Sie gehört zu meiner Kindheit und ich mag sie bis heute. Diese Geschichten von einer Zukunft, die sehr wahrscheinlich gar nie so sein wird. Aber die Fragen stellen, ob es vielleicht mal so sein könnte. Das ist ja das Spannende. Wie sich Menschen heute ausmalen, wie wir in drei- oder fünfhundert Jahren leben werden.

Es gibt ein paar Elemente, die in diesen Geschichten um das Raumschiff Enterprise immer wieder auftauchen. Zum Beispiel Außerirdische oder Roboter, die sich fragen, was es heißt Mensch zu sein, weil sie merken, wie unterschiedlich sie sind. Sie fragen dann, wie das so ist, als Mensch zu fühlen und zu lieben. Diese Szenen mag ich besonders, weil dann plötzlich nicht nur etwas von der Zukunft erzählt wird, sondern ich mich selbst frage: „Was heißt das denn für mich, Mensch zu sein?“

An eine solche Szene erinnere ich mich besonders gut. Ein Roboter und Captain Picard stehen gemeinsam vor einer alten Weltraumrakete. Der Captain staunt und legt seine Hand vorsichtig auf die Hülle der Rakete und schließt seine Augen. Der Roboter fragt ihn dann: „Was tun sie da?“. Und bekommt die Antwort: „Menschen können durch Berührung eine Verbindung zu etwas aufbauen. Es ist eine sehr persönliche Möglichkeit, dass mir die Dinge wirklicher erscheinen.“ 

In dieser Szene wird ein Bedürfnis dargestellt, das zutiefst menschlich ist: Etwas zu berühren. Kindern merkt man das an, wenn sie alles Mögliche anfassen wollen und ihre Eltern dann sagen: „Mit den Augen wird geschaut, nicht mit den Händen.“ Ich verstehe, dass Eltern ihre Kinder abhalten, alles anzutatschen. Aber ich halte es für falsch. Wir schauen natürlich nicht mit den Händen, aber wir begreifen die Welt auch, indem wir Dinge anfassen. Daher kommt ja unser Wort: „Be-Greifen“. Wir haben etwas begriffen, wenn wir es ganz nah bei uns haben. Quasi mit Händen greifen können. Mir ist zum Beispiel bis heute ein gebundenes Buch lieber, als es digital zu lesen. Die Schwere des Buches in der Hand zu halten, darin zu blättern und es ins Regal stellen zu können. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass mir dadurch die Geschichte darin näher ist. Manche Bücher verbinden mich auch mit den Menschen, die sie mir geschenkt haben.

Beides kommt dann zusammen: Dass ich etwas berühren kann, aber auch selbst dadurch berührt werde.

 

Ich spreche heute in den SWR4-Sonntagsgedanken davon, dass wir unser Leben nicht nur mit dem Kopf begreifen, sondern auch mit den Händen. Wenn ich zum Beispiel die Rinde eines Baumes berühre, nehme ich den Baum anders war, als wenn ich ihn nur anschaue.

Was für die Dinge gilt, stimmt erst recht für menschliche Beziehungen. Während Corona ist mir das besonders aufgefallen. Als ich mit meinem guten Freund Peter nur noch telefonieren konnte. Da habe ich gemerkt, wie sehr mir seine Umarmung fehlt. Viele unserer Beziehungen bauen nicht nur auf Gespräche auf, sondern drücken sich auch körperlich aus.

Ich glaube, das ist auch ein entscheidender Punkt, um Ostern zu verstehen. In einer der biblischen Geschichten von Ostern geht es um den ungläubigen Thomas; der für mich gar nicht so ungläubig ist. Darin wird zunächst erzählt, wie Jesus nach seiner Auferstehung den anderen Jüngern erscheint. Thomas ist nicht dabei. Wir wissen nicht, wo er gerade war. Ob er im Keller einen Krug Wein geholt oder einen Freund besucht hat. Auf jeden Fall kommt er zurück und die anderen Jünger erzählen ihm brühwarm von ihrer Begegnung. Sie sagen: „Jesus lebt. Wie haben ihn gesehen“. Thomas glaubt das nicht. Ich halte ihn deswegen noch lange nicht für ungläubig. Im Gegenteil. Ich mag diesen Thomas genau deswegen. Wo kommt man denn hin, wenn man alles einfach glaubt, was andere einem erzählen? Thomas sagt seinen Freunden: „Wenn ich Jesus nicht anfasse, seine Wunden, die er vom Tod am Kreuz hat, nicht berühren darf, dann glaube ich das nicht, was ihr mir da erzählt.“ Er hätte genauso gut sagen können: „Wenn ich ihn nicht umarmen darf, begreife ich nicht, was ihr mir da erzählt habt.“

Ich verstehe diesen Thomas. Die anderen haben gut reden. Wenn sie Jesus wirklich gesehen haben, können die das alles leichter glauben.

Und eine Woche später sind die Jünger dann wieder zusammen. Dieses Mal mit Thomas. Und Jesus kommt wieder und bietet Thomas an, ihn zu berühren. Ob er es dann getan hat, werden wir nie erfahren. Das erzählt die Geschichte nicht. Aber er hätte es gekonnt. Und das hat etwas in ihm verändert. In seiner Beziehung zu Jesus. Er antwortet nämlich: „Mein Herr und mein Gott.“

Die Geschichten um Ostern erzählen nicht einfach von der Idee, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Zuallererst erzählen sie, dass dieser Jesus, der tot war, Menschen zum Greifen nahe kam.  Wie nach Corona. Als ich zum Beispiel meinen alten Freund Peter wieder umarmen durfte: Das war ein bisschen wie Ostern.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42032
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