SWR4 Abendgedanken
Wenn ich als Seelsorger mit Angehörigen eine Beerdigung vorbereite, stelle ich immer diese eine Frage. Ich frage die Familien: „Sind Kinder bei der Trauerfeier dabei?“ Oft haben die Eltern Bedenken und wissen nicht, ob das mit den Kindern auf dem Friedhof gut gehen kann. Manche lehnen es auch kategorisch ab, ihre Kinder mitzubringen. Und auch wenn die Entscheidung letztlich natürlich bei den Eltern liegt, ermutige ich sie, mit den Kindern zu sprechen. Es lohnt sich immer, wenn man beides gut überlegt, was die Kinder brauchen und wie Eltern unterstützt werden können. Denn Kinder können meistens gut bei Trauerfeiern dabei sein.
Auch Kindergartenkinder können schon deutlich sagen, ob sie auf den Friedhof mitkommen wollen oder nicht. Beides ist völlig ok. Es kommt darauf an, dass Eltern die Kinder und ihre Wünsche ernst nehmen. Denn es ist schwer für die Kleinen, wenn sie merken, dass Mama und Papa traurig sind und allein zu Beerdigung gehen, obwohl die Kinder sie eigentlich begleiten möchten. Und wenn sie dann dabei sind, müssen Kinder immer die Reißleine ziehen können. Wenn es zu schwer wird, dann können sie den Ort der Feier verlassen und mit jemandem eine Runde über den Friedhof spazieren. Bewegung hilft. Und man kann die anderen einfach später wieder am Grab treffen.
Und was besonders schön ist: Kinder können sich auf ihre eigene Art einbringen und verabschieden. Zum Beispiel mit einem Bild oder einem Brief, den sie ins Grab legen. Neulich hab ich eine Frau beerdigt, die mit ihren Enkeln immer viel gebastelt hat. Und zum Abschied haben die kleinen Enkelkinder für ihre verstorbene Oma gebastelt. Ein ganzes Glas voller buntem Konfetti haben sie ausgestanzt. Das haben wir dann zusammen mit Blütenblättern in ihr Grab gestreut. Das war ein schöner Moment, denn die fliegenden Blüten und die farbenfrohen Papierschnipsel haben richtig gut zur Verstorbenen und ihrer Lebensfreude gepasst. Und ich habe noch nie so ein fröhliches und buntes Urnengrab gesehen.
Bei einer anderen Beerdigung hat ein Enkel extra seine Arbeitshose angezogen. Das war im Friedwald. Nach der Feier hat das Kind zusammen mit der Försterin das Grab mit Erde vollgemacht. Ganz ausführlich und in aller Ruhe durfte er mit seiner Kinderschaufel mithelfen. So konnte er ganz praktisch was tun, das hat ihm geholfen.
Wenn Kinder bei der Bestattung dabei sind, ist es auch für Erwachsene ein anderes Gefühl. Es wird nicht weniger getrauert oder geweint, aber es wird vielleicht ein bisschen mehr gelächelt oder sogar gelacht.
Und man spürt, dass alles dabei sein darf, wenn man trauert: Tränen, Lachen, Zupacken und sogar Konfetti.
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