SWR4 Abendgedanken

23APR2025
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Ein furchterregender Drache, eine Prinzessin in Not und ein Happy End – klingt nach einer guten Story, oder einem alten Märchen. Aber dahinter steckt viel mehr. Drache, Prinzessin und Happy End, das alles steht für den Heiligen Georg.

Georg hat vor 1700 Jahren irgendwo in einer Stadt in Nordafrika gelebt. Der Legende nach trieb dort ein furchterregender Drache sein Unwesen. Um ihn zu besänftigen, haben die Bewohner täglich zwei Schafe geopfert. Und jetzt wird’s leider brutal: Als es keine Schafe mehr gab, haben die Menschen untereinander gelost und Menschenopfer dargebracht. Hier kommt Georg ins Spiel. Eines Tages fiel das Los auf die Tochter des Königs. Während sie auf den Drachen wartete, kam der heilige Georg angeritten. Mit seiner Lanze hat er den Drachen verwundet und schließlich getötet. Ende gut, alles gut. Eine tolle Geschichte. Kein Wunder, dass viele Leute damals zu Georg-Fans wurden. Er ist einer der beliebtesten Heiligen und ein Schutzpatron, an den man sich in der Not wenden kann.

Der Heilige Georg ist auch der Patron der Pfadfinderinnen und Pfadfinder. Ich bin selbst Pfadi und kenne seine Geschichte seit ich Kind bin. Was ihn auszeichnet, ist dass er einfach gemacht hat und mutig war. Jetzt kann man natürlich sagen: An der Legende ist doch nichts dran. Und das stimmt vermutlich ja auch. Aber am Kern, dass Georg selbstbewusst losgeritten ist, es einfach probiert hat und sich leidenschaftlich für andere eingesetzt hat, da ist was dran. Das passt zu vielem anderem, was sonst noch aus seinem Leben bekannt ist.

Tapfer zu sein und für andere was zu riskieren: So erlebe ich die Pfadfinder. Wenn sie sich eben nicht vor Verantwortung drücken, sondern mutig gegen die – um im Bild zu bleiben – „Drachen im Alltag“ kämpfen. Wenn sie auch die Kinder mit aufs Zeltlager nehmen, die mit ihrem Charakter und ihrem Verhalten eine große Herausforderung sind. Oder wenn sie in ihrer knappen Freizeit tolle Aktionen auf die Beine stellen.

„Gegen Drachen“ kämpfen, das ist so ein typisches Pfadfindermotto. Das kann ich auch gut gebrauchen. Zum Beispiel bei der Freundin, mit der ich mich verkracht habe und mit der ich die Dinge dringend wieder grade rücken müsste. Vor dem Drachen dieses Gesprächs hab ich mich bisher verkrochen. Und ich kenne auch noch andere Alltags-Drachen. Ich denke an kleine unliebsame Aufgaben oder große wie den Kontrollbesuch beim Arzt, den ich vor mir herschiebe.

Die Pfadfinder und der heilige Georg sind wie ein Ansporn für mich. Sie helfen, dass ich mir meine innere Rüstung anziehe und mich mutig meinen ganz persönlichen Drachen stelle.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42021
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