SWR4 Abendgedanken

22APR2025
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Wie viele Kinder sich an dieser Scheibe wohl schon ihre Nase plattgedrückt haben? Keine Ahnung! Aber hinter dieser besagten Scheibe liegen eine Handvoll Eier. Meine Kinder stehen da auch und haben die Eier genau im Visier: Tatsächlich – ein Ei wackelt ein bisschen und nach und nach schaut ein kleiner Schnabel aus der aufgepickten Schale. Wir sind im Naturkundemuseum in der Ausstellung „Vom Ei zum Küken“ und wir beobachten begeistert, wie eines langsam schlüpft. Daneben tapsen flauschige Küken umher und piepsen munter um die Wette.

Dass da so putzige Wesen rauskommen! … Faszinierend. Und so ist es auch kein Wunder, dass das Ei in vielen Religionen ein Zeichen für Fruchtbarkeit und neues Leben ist. So gibt es die alte chinesische Vorstellung, dass alles Leben aus einem mystischen Welten-Ei kommt. Und beim persischen Nouruz-Fest, das schon seit über 2500 Jahren immer im Frühling gefeiert wird, liegen gefärbte Eier auf dem Gabentisch. So wie bei uns an Ostern.

Christen haben das Ei als Symbol für die Auferstehung gedeutet. Denn so ein Ei mit seiner Schale wirkt ja erstmal kalt und leblos. Wie das Grab, in das man Jesus nach seinem Tod hineingelegt hat. Doch im Inneren ist neues Leben versteckt. Ein alter christlicher Osterspruch lautet: „Wie der Vogel aus dem Ei gekrochen, hat Jesus das Grab zerbrochen.“

Mir gefallen die Bräuche rund um Ostereier: Ich mag es, wenn wir in der Familie Eier färben. Wenn wir damit die Wohnung dekorieren, sie an Nachbarn und Freunde verschenken oder sie füreinander verstecken. Sehr beliebt ist bei uns auch das Eiertitschen beim Frühstück. Wir spielen das reihum am Tisch und immer zwei stoßen mit ihren Eiern gegeneinander. Wessen Ei heil bleibt, gewinnt. Von der jüngsten Enkelin mit gerade zwei Jahren bis zur Oma mit fast 80: Alle haben Spaß miteinander.

Diese Bräuche haben gemeinsam, dass sie das Leben feiern. Und darauf kommt es an Ostern an. Jesus ist damals vor den Machthabern gescheitert und umgebracht worden. Aber sie haben es nicht geschafft. Er lebt. Was ihm wichtig ist, geht weiter. Seine Auferstehung zeigt, dass mit dem Tod nicht alles vorbei ist, sondern dass die Verstorbenen bei Gott gut aufgehoben sind und dort weiterleben. Auferstehung heißt, dass das Leben und die Liebe stärker sind als der Tod.

Und dieses Leben und die Freude über die Osterbotschaft feiern wir mit den Ostereiern. Wenn wir ein verstecktes Ei im Garten finden oder am Frühstückstisch beim Eiertitschen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42020
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