SWR3 Gedanken
Angst ist überlebensnotwendig. Das Blöde ist nur, dass die Angst meistens gar nicht nachfragt, bevor sie vorbeikommt. Sie ist plötzlich da – und ein ziemlich unangenehmes Gefühl.
Aktuell haben 80 Prozent[1] der Jugendlichen in Deutschland Angst vor Krieg in Europa. Und zwei Drittel machen sich Sorgen wegen der Umweltverschmutzung. Ihre Ängste sind nicht einfach klein zu reden. Ich brauche nur die Zeitung aufzuschlagen und weiß ganz genau: Diese Ängste sind begründet.
Bei Ängsten verhält es sich so: Sie klein zu reden, wegzudrücken oder zu banalisieren ist gar keine gute Strategie. Aber der Mensch lernt von klein auf, sich Strategien anzueignen, um mit den eigenen Ängsten umzugehen. Doch nicht jede Strategie ist hilfreich. Was die Psychologie auf jeden Fall rät: Zu schauen, was dazu beiträgt, dass ich mich wohler fühle.
Für mich ist das zum Beispiel das Gebet. Dabei nehme ich meine Sorgen ernst. Ich spreche sie laut aus und lege sie bei Gott ab. So drücke ich die Sorgen nicht weg; aber kann zwischendrin auch mal durchschnaufen und zur Ruhe kommen von all den Sorgen.
Das klingt nach wenig, vor allem wenn es um Angst vor Krieg und dem Klimawandel geht. Fast schon egoistisch und weltfremd. Aber mir ist wichtig, mit meinen Ängsten und damit auch mit mir selbst gut umzugehen. Und tatsächlich ist das – genau wie die Angst – überlebensnotwendig.
[1] Folgende Zahlen der Shell Studie 2024 entnommen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42017