SWR3 Gedanken

23APR2025
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Was haben ein alter Mann mit Rollator, eine Sonne und ein übergroßes Kraftfeld gemeinsam?

Alle drei sind zu sehen auf Bildern, die Mädchen und Jungs aus meiner Reliklasse gemalt haben. Meine Schülerinnen und Schüler sind elf bis zwölf Jahre alt und setzen sich gerade intensiv damit auseinander, wer und wie Gott für sie ist.

Ich empfinde es als Privileg, mit den Kindern über Gott sprechen zu dürfen. In diesem Alter verändert sich so viel. Sie entwickeln sich zu Jugendlichen. Während der eine noch ganz kindlich ist, ist die andere bereits mitten in der Pubertät.

Deswegen ist es auch gar nicht überraschend, dass ihre Bilder von Gott so unterschiedlich sind. Sie beginnen, sich von ihren kindlichen Gottesbildern zu lösen und ganz eigene, abstraktere Vorstellungen von Gott zu entwickeln.

Was mich besonders berührt, als sie ihre Gottesbilder mit der Klasse teilen: Dass sich alle ganz aufmerksam zuhören. Sie sind neugierig, was die anderen über Gott denken, wie sie ihn erfahren. Und verurteilen nicht, wenn die Vorstellung so ganz anders ist als die eigene. Sie schaffen es, das eine Bild neben dem anderen stehen zu lassen. Eine Schülerin sagt am Ende: Wie schön, unsere Gottesbilder sind wie Puzzleteile – so unterschiedlich, und doch ergeben sie etwas Gemeinsames.

Das wünsche ich mir auch für uns Erwachsene: Dass wir uns mehr zuhören, wenn es um unseren Glauben geht; und uns weniger bewerten. Und auf diese Weise auch etwas Gemeinsames entdecken können.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42016
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