SWR3 Gedanken
Ostern fällt mir echt schwer – ich weiß, eigentlich sollte ich mich ja freuen. Weil es doch unser wichtigstes Fest ist, das wir Christen haben: Jesus ist für alle Menschen auferstanden. Deshalb wird an Ostern in der katholischen Kirche auch alles raus geholt, was es zu bieten gibt: Weihrauch, Orgelmusik, Licht und Feuer. Umso komischer, dass ich statt wilder Christenparty eher Zweifel spüre: Gottes Sohn stirbt und steht dann wieder auf – kann ich das überhaupt glauben?
In der Bibel gibt es einen, dem geht es genauso: Thomas. Dieser Thomas ist skeptisch. Als ihm seine Freunde erzählen, dass sie den auferstanden Jesus gesehen haben, sagt er nur: So lange ich ihn nicht mit seinen Kreuzigungswunden sehen und fühlen kann, glaub ich das nicht mit der Auferstehung (nach Joh 20,24-29).
Dieser Thomas ist für mich echt wichtig. Er zeigt mir: Auch ich Zweiflerin gehöre dazu. Ich, die anfassen will. So wie einer der engsten Jünger, wie Thomas.
Thomas begegnet später dem auferstanden Jesus, darf seine Wunde berühren. Ich habe das noch nicht erlebt, weder an Ostern, noch an einem anderen Tag im Jahr. Und doch gibt es Momente, in denen fühle ich, dass da was ist, was mich wie etwas ganz Warmes und Liebevolles umgibt. Wenn ich meinen Mann mit unseren Töchtern beobachte und ich tiefes Vertrauen spüre. Oder in mich rein höre und da etwas ist, was JA sagt zu mir.
Es bleibt vage, es bleiben Zweifel. Und so bleibe auch ich: als Christin.
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