SWR1 3vor8

27APR2025
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Ostern war das letzte Kirchenfest, das Dietrich Bonhoeffer erlebt hat. Der evangelische Pfarrer war als Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime verhaftet worden und hat zwei Jahre im Gefängnis gesessen. Am 9. April 1945 ist er hingerichtet worden. Das Osterfest ist in diesem letzten Kriegsjahr auf den 1. April gefallen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie die Menschen in einem völlig verwüsteten Europa das damals gefeiert haben. Und wie es bei Dietrich Bonhoeffer in seiner Gefängniszelle gewesen ist, weiß ich nicht. Ich frage mich aber, ob es ihm gutgetan hat, mit der Aussicht auf seinen bevorstehenden Tod noch einmal daran erinnert zu werden, was Christen an Ostern feiern: Dass dem Tod durch die Auferstehung von Jesus alle Macht genommen ist. Oder ist ihm das eher wie blanker Hohn vorgekommen? Dass draußen in den Trümmern der christlichen Welt mit dem Mut der Verzweiflung, Tod und Teufel verlacht und verspottet wurden, er selbst aber dem Tod und seinen Teufeln so brutal ausgeliefert war? Nur vier Wochen später, am 9. Mai 1945 hätte der ganze Spuk doch ein Ende gehabt.

„Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln.“ Dieser Satz stammt von Dietrich Bonhoeffer. Und er deutet daraufhin, dass ihm sein letztes Osterfest im Gefängnis viel Kraft gegeben hat. Vielleicht hat er in diesen Tagen in seiner Bibel die Worte aus dem ersten Petrusbrief gelesen, über die heute, eine Woche nach Ostern, in vielen evangelischen Gottesdiensten gepredigt wird. Da steht: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus. In seiner großen Barmherzigkeit hat er uns neu geboren. Denn er hat uns eine lebendige Hoffnung geschenkt, weil Jesus Christus von den Toten auferstanden ist. Es ist die Hoffnung auf ein unvergängliches Erbe, das rein ist und nie seinen Wert verliert. Das hält Gott im Himmel für euch bereit, und er bewahrt euch durch seine Macht. Aber es ist trotzdem nötig, dass ihr jetzt noch eine kurze Zeit leidet.“ Das klingt doch, als wären diese 2000 Jahre alten Zeilen ganz persönlich für ihn geschrieben worden.

Oder heute ganz persönlich für Sie. In welchen Herausforderungen Sie auch stecken mögen, ich wünsche Ihnen, dass Sie zu einer lebendigen Hoffnung finden und dass die Kraft, die von Ostern ausgeht, auch Sie erfasst und stärkt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42001
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