SWR1 3vor8
Es ist ein Sonntagvormittag in München. 200 Frauen treffen sich zum Spazierengehen. Das Besondere ist: sie kennen sich nicht. Noch nicht. Erst während des Spaziergangs kommt man ins Plaudern. Nach knapp einer Stunde gehen die Frauen wieder auseinander – zufrieden über einen gemütlichen Sonntagsspaziergang in Gesellschaft, viele erfüllt von einem guten Gespräch und manche sogar mit einer Telefonnummer, um sich verabreden zu können.
Die Idee zu solchen Spaziergängen hat Clare Carrington[1] aus den USA mitgebracht. Zurück von ihrem Auslandsaufenthalt war sie so begeistert, dass sie über insta Frauen zum Spaziergang eingeladen hat. Und die Resonanz war riesig. Mittlerweile hat sich die Idee rumgesprochen, und die Spaziergänge sind ein richtiger Trend geworden. Und das nicht nur in München. Bereits in mehr als 30 Städten sind sogenannte „girlswalkingandtalking“-Gruppen zu finden, frei übersetzt „Mädels laufen und reden“.
Miteinander unterwegs sein, jemand anderem erzählen, wie das Leben gerade ist, und wie es mir geht – das geschieht auch in dem biblischen Text, der ganz eng zum heutigen Ostermontag gehört und in vielen katholischen Gottesdiensten zu hören ist.
Zwei Jünger sind unterwegs nach Emmaus und vertrauen einander an, was sie beschäftigt. Vor allem, wie traurig sie sind, da ihr Freund Jesus gestorben ist. Unterwegs treffen sie auf einen Fremden, der wissen will, was sie bedrückt. Sie erzählen ihm, wie enttäuscht und traurig sie sind. Er hört ihnen zu, er baut sie auf, und er erzählt, dass er voller Hoffnung ist. Erst im Nachhinein, beim Essen am Abend, kapieren sie, dass der Fremde, der mit ihnen gegangen ist, Jesus war. Und dass sie das eigentlich schon unterwegs gespürt haben. (vgl. Lk 24, 13-35)
Ich kann mich gut in die Situation der beiden Jünger hineinversetzen. Wenn ich traurig bin oder ein belastender Gedanke sich in meinem Kopf festgekrallt hat, dann tut es mir gut, wenn ich nicht alleine bleibe. Wenn ich rausgehe, in Bewegung komme und mich jemandem anvertrauen kann. Zu merken „Ich bin nicht allein“, macht mein Herz leichter. Und ich bin mir in solchen Momenten sicher: Jesus geht mit. Er begleitet mich, und das kann ich durch andere spüren.
„Ich bin nicht allein.“ Das sagt übrigens auch Clare, die mit den Frauenspaziergängen. Wenn man sie fragt, ob man zu den Spaziergängen wirklich alleine kommen kann, antwortet sie: „Genau darum geht es, das ist das Schöne: Jede kommt zwar alleine, aber keine geht alleine.“
[1] vgl. Fasten-Wegweiser 2025 „wandeln“ von AndereZeiten, S. 38f. oder auch: https://www.brigitte.de/aktuell/gesellschaft/clare-carrington--macherinnen-im-check-13858566.html
https://www.kirche-im-swr.de/?m=41993