SWR4 Sonntags-/Feiertagsgedanken

13APR2025
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Heute, am Palmsonntag, führt uns die Geschichte aus der Bibel, die im katholischen Gottesdienst vorgelesen wird, mitten hinein in die Stadt Jerusalem. Und dort ist ganz schön was los. Unzählige Menschen kommen zusammen um ein ausgelassenes Fest zu feiern. Es soll erinnern an die Befreiung des Volkes Israel aus der Sklaverei damals in Ägypten.

Wie ein Lauffeuer verbreitet sich in der Stadt, dass auch Jesus unter den Gästen sein wird. Von ihm wird Unglaubliches erzählt und die Gerüchteküche über ihn brodelt. Er sei so ganz anders als all die jüdischen Gelehrten. In seiner Nähe geschehe Außergewöhnliches, sagen die Menschen auf den Straßen von Jerusalem.

Wie in einem Drehbuch beschreibt der Text der Bibel den Auftritt von Jesus. Er wird begleitet von seinen Freunden, die buchstäblich alles stehen und liegen ließen um ihm zu folgen. Es sind einfache Leute: Fischer. Tagelöhner. Nicht gebildet und ganz einfach gekleidet. Unter Jubel reitet ihr Held nun bescheiden auf einem Esel durch die Straßen der Stadt.

Die Menge legt Kleider und Tücher auf die staubige Straße. Wie einen roten Teppich. Mit Palmzweigen in den Händen winken sie Jesus zu.  Und einige sind davon überzeugt: Er ist unser Retter. Der Messias. Denn schon in der Bibel steht, so erinnert man sich, dass der herbeigesehnte Erlöser einmal auf einem Esel in die Stadt Jerusalem einziehen wird.

Was für ein Kontrast zu den damaligen Herrschern Roms. Denn diese liebten pompöse Auftritte und Einzüge hoch zu Ross, und die kannten die Bewohner von Jerusalem zu Genüge. Auch der römische Stadthalter Pontius Pilatus ließ sich von Behörden und der jüdischen Obrigkeit bejubeln und huldigen. Für die römischen Besatzer dürfte der Empfang Jesu mit Palmzweigen und seinem Ritt auf einem Esel einer Provokation gleichgekommen sein.

 

Bis heute lieben die Mächtigen dieser Welt pompöse Auftritte. Das ganz große Spektakel. Minutiös wird alles inszeniert. Nichts bleibt dem Zufall überlassen. Ein Wladimir Putin zum Beispiel. Wir kennen die Bilder. Er mit nacktem Oberkörper kraftstrotzend auf einem Pferd. Oder mit ernster Miene emotionslos durch die endlosen und prunkvollen Flure des Kremls schreitend. Die Türen öffnen sich vor ihm. Flankiert von herausgeputzten Uniformierten mit goldenen Schwertern.  Und dann Bilder, die zeigen, wie er seine Rede mit großem Abstand zu seinen Zuhörern hält und nichts dem Zufall überlässt. Auch ein Donald Trump liebt seine narzisstischen Auftritte.  Immer wieder schiebt er Menschen beiseite, die ihm im Wege stehen, damit er auf jeden Fall gesehen wird. Kürzlich erst wurde medial verbreitet, wie er den Präsidenten der Ukraine zurechtweist, vor laufender Kamera. Inszeniert bis ins Detail.

Jesus, der getragen von einem Esel in die Stadt Jerusalem kommt, geht einen anderen Weg als all die Despoten. In dieser Woche erinnern wir uns an seine letzten Lebenstage bis zum gewaltsamen Tod am Kreuz. Wie im Brennglas bündeln sie noch einmal all das was ihm wichtig ist. Er wird sich mit seinen Freunden zusammensetzen. So wie er es immer wieder getan hat. Besonders mit denen, die niemand einlädt. Er wird etwas tun was nur Sklaven tun. Ihnen die Füße waschen. Sie werden zusammen essen und ihre Freundschaft mit Gott und auch untereinander feiern, und er wird von seinem nahen Tod sprechen. Auch Judas, sein Verräter wird mit am Tisch sitzen. Die Bibel erzählt von seiner Todesangst in der Nacht vor seiner Hinrichtung und seinem Beten, selbst dann noch, als er sich von Gott verlassen fühlt. Am nächsten Tag sind die Jubelrufe verstummt. Erst einzelne, dann immer mehr werden den römischen Stadthalter Pontius Pilatus auffordern, ihn zu kreuzigen. Doch so schwach er auf dem Esel daherkommt, so stark ist sein Glaube, dass Gott ihn halten wird. Gott ist für ihn wie ein Vater.

Immer wieder treten Menschen in seine Nachfolge. Sie nehmen es buchstäblich mit den Despoten und Narzissten ihrer Zeit auf. Ohne Waffen. Nicht kraftstrotzend. Scheinbar schwach und klein kommen sie daher, doch ihr Handeln und Sprechen ist kraftvoll und mutig. Sie bleiben unvergessen. So kürzlich die Bischöfin Mariann Edgar Budde. Sie empfing Donald Trump zum Gottesdienst anlässlich seiner Amtseinführung in der Kathedrale von Washington. Sie hatte ihm etwas zu sagen angesichts all seiner menschenverachtenden Pläne: Im Namen unseres Gottes bitte ich Sie um Erbarmen für die Menschen in unserem Land, die jetzt Angst haben, sagte sie und nannte sie beim Namen. Es gebe schwule, lesbische und transgeschlechtliche Kinder in Familien aller politischen Parteien, von denen einige um ihr Leben fürchteten. Und auch Putzkräfte, Pfleger, Tellerwäscherinnen und Erntekräfte seien oft keine Staatsbürger. Die Mehrheit all dieser Einwanderer zahle aber Steuern. Sie seien gute Nachbarn und auch nicht kriminell. Massiv attackiert wurde daraufhin Frau Budde von Trump und seinen fanatischen Fans. Es hat bis heute Konsequenzen dem Mann auf dem Esel zu folgen. Der brasilianische Bischof Dom Helder Camara hat das einmal so im Gebet ausgesprochen:

 

Jesus, lass mich dein Esel sein, auf dem Du zu den Menschen kommst. Gib mir die Genügsamkeit und Eselsgeduld, die Kraft zum Tragen und auch die Sturheit, die ich brauche, um Träger deiner Liebe in einer Welt des Hasses zu sein.

Lass mich dein Esel sein, Christus, dass ich dich zu anderen trage.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=41961
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