SWR Kultur Lied zum Sonntag
Lange habe ich nicht mehr an Anna gedacht. Dabei war sie mir mit ihrer Stimme eine Zeitlang sehr nah. Als die Nachricht von ihrem Tod kam, tat es weh. Sehr sogar. Und ich habe gleich die alten CDs von Rosenstolz rausgekramt und mich in die Zeit versetzt, als ich AnNa R. und Peter Plate rauf und runter gehört habe.
Hast du nur ein Wort zu sagen, nur einen Gedanken, dann lass es Liebe sein.
Kannst du mir ein Bild beschreiben, mit deinen Farben, dann lass es Liebe sein.
Die Nachricht von Annas Tod hat sie mir in ihrer ganzen Lebendigkeit zurückgebracht. Und alles, was ich mit ihrer Musik erlebt habe. Mit Anna ist dieses Rosenstolz-Gefühl der 90er zurückgekehrt. Was waren wir jung und voller guter Ideen für die Welt!
Wann du gehst, wieder gehst, schau mir noch mal ins Gesicht,
sag′s mir oder sag es nicht, dreh dich bitte nochmal um, und ich seh's in deinem Blick: Lass es Liebe sein, lass es Liebe sein.
Liebe und Achtsamkeit füreinander – mit ihrer musikalischen Botschaft bringt Anna mich noch einem anderen nahe, an dessen Ende ich heute auch denke. Denn heute beginnt die Karwoche. Sie ruft die letzten Tage von Jesus wach und das Leben mit ihm. Jung sind auch sie damals, die mit ihm herumziehen. Jung und voller grandioser Ideen, was alles anders werden könnte: die Gesellschaft, die Welt, das eigene Leben. Aber dann kommen plötzlich diese letzten Tage, kommt der letzte Abend, die letzte Mahlzeit, ein letzter Spaziergang ….
Hast du nur noch einen Tag, nur eine Nacht, dann lass es Liebe sein.
Hast du nur noch eine Frage, die ich nie zu fragen wage, dann lass es Liebe sein.
Die Jüngerinnen und Jünger, die Jesus begleiten, verstehen nicht, was passiert. Ungläubig stehen sie da und sehen zu, wie Jesus verhaftet und abgeführt wird.
Wann du gehst, wieder gehst, schau mir noch mal ins Gesicht,
sag′s mir oder sag es nicht, dreh dich bitte nochmal um, und ich seh's in deinem Blick:Lass es Liebe sein, lass es Liebe sein.
Liebe – darum ging es auch Jesus. Von Gottesliebe, Nächstenliebe und Selbstliebe hat er gesprochen wie kein anderer. Liebe war alles für ihn. Und er hat sie gelebt. Kann so eine Liebe verhaftet und in Ketten gelegt werden? Vielleicht ist es ja so: Erst wenn man ahnt, dass sie enden kann, hat man den Anfang der Liebe erreicht.
Das ist alles, was wir brauchen, noch viel mehr als große Worte,
lass das alles hinter dir, fang nochmal von vorne an,
denn Liebe ist alles, Liebe ist alles, Liebe ist alles, alles, was wir brauchen.
Am Anfang der Karwoche wissen die Jünger von Jesus noch nicht, was ihnen bevorsteht. Jesus wird alles hinter sich lassen. Er wird verhaftet, gefoltert und am Kreuz sterben. Doch das ist nicht das Ende, nicht seines und auch nicht das Ende der Liebe. Er wird noch einmal anfangen. Ganz von vorn. Auferweckt zu einem neuen Leben. Stärker als der Tod erweist sich die Liebe.
Das ist alles, was wir brauchen, noch viel mehr als große Worte,
lass das alles hinter dir, fang nochmal von vorne an,
denn Liebe ist alles, Liebe ist alles, Liebe ist alles, alles, was wir brauchen.
Lass es Liebe sein, Lass es Liebe sein.
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Musikangaben:
Text und Musik: Peter Plate, Ulf Leo Sommer, AnNa R
Aufnahme: Label: Universal Music Group
Album: Rosenstolz, Herz (22.03.2004)
