Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Es gibt so Tage, da verdichtet sich das Leben. Bei der Geburt eines Kindes. Am Grab eines Freundes. An einem runden Geburtstag. Solche Tage haben nicht mehr Stunden als andere. Aber in die passt so viel mehr rein. Gespräche, die lange dauern. Geschichten erzählen von damals. Gemeinsame Tränen voller Glück und Schmerz. Lachen, das noch Jahre später in den Ohren klingt.
So dicht sind auch die Tage in dieser Woche. Die trägt deshalb auch ganz besondere Namen: Karwoche, Heilige Woche, Große Woche. Sie umfasst die Tage zwischen Palmsonntag und dem Ostermorgen. Tage, in die ein ganzes Leben gepresst ist: Da gibt es ausgelassenes Feiern und todtraurige Stunden, da werden Liebe und Einsamkeit zum Thema, da schwören sich Menschen ewige Freundschaft und verraten sich. Eine Woche wie das Leben.
Es ist die letzte Woche von Jesus. Am Anfang kommt er nach Jerusalem. Wird wie ein Popstar empfangen. Alle wollen, bildlich gesprochen, ein Selfie mit ihm. Und Jesus macht seinem Namen als Fresser und Säufer alle Ehre. So beschimpfen ihn seine Gegner. Doch es trifft einen zentralen Kern seiner Botschaft. Viele Geschichten über Jesus haben damit zu tun, dass er mit anderen Menschen isst und trinkt. Gemeinsam Essen, das stiftet und vertieft Freundschaften.
Aber nur wenige Tage später steht er allein da. Kaum noch jemand will mit ihm zu tun haben. Und als er stirbt, da zerstreuen sich die Fans in alle Himmelsrichtungen.
Diese Bandbreite an Leben, die fasziniert mich in diesen Tagen. Sie macht mir deutlich, was alles zum Leben gehört. Höhen und Tiefen und die vielen Zwischentöne. Diese Woche hat auch mit mir und meinem Leben zu tun. Kann mir Hoffnung geben, dass alles, was passiert, wichtig ist. Vielleicht sogar einen Sinn hat.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=41915