SWR3 Gedanken

04APR2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Die Trennung zwischen weißen und schwarzen Menschen muss überwunden werden. Sie ist eine Tragödie. Das hat – ganz knapp formuliert - Martin Luther King über die sogenannte Rassentrennung in den USA gedacht. Heute vor 57 Jahren wurde King erschossen. Eine Kugel gegen einen Mann, der Demonstrationen, zivilen Ungehorsam und Boykotte angeführt hat.

Und seine Methoden leben weiter. Im Moment ist zum Beispiel der Boykott wieder in Mode. Es werden gerade im Internet verschiedene Listen herumgereicht, die zeigen, wie man amerikanische Produkte durch andere – deutsche oder europäische – Produkte ersetzen könnte.

„Gut, wenn sie es wenigstens da trifft, wo es ihnen wirklich weh tut: Beim Geld!“ ist da bei manchem die hämische Devise. Für viele Menschen ist es aber einfach ein Versuch irgendwie für sich und andere auszudrücken, dass sie mit dem, was in den USA gerade passiert, nicht einverstanden sind. Ich kann das sehr gut nachvollziehen.

Für Martin Luther King ging es in erster Linie nicht darum, den Unterdrückern zu schaden. Im Gegenteil: Für ihn bedeutete nämlich die Trennung der Gesellschaft, dass sich auch die Unterdrücker ins eigene Fleisch schneiden. Wer sich vom anderen Menschen trennt, der trennt sich von wertvollen Erfahrungen, wertvollen Fähigkeiten, wertvollen Erkenntnissen. Trennung bedeutete immer Verlust auch für den Unterdrücker. Ein Boykott sollte genau das zeigen.

Ich finde diesen Gedanken heute noch hilfreich. Denn natürlich kann ich voller Schadenfreude den schwäbischen Whiskey trinken oder bei einem europäischen Online-Händler bestellen. Aber eigentlich ist diese Trennung vor allem tragisch und traurig. Und zwar für alle Seiten.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=41890
weiterlesen...