SWR4 Abendgedanken
Anna Görder:
Schon vor vielen Jahrzehnten hat der Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer sich für die „Ehrfurcht vor dem Leben“ eingesetzt. Ich habe mir zusammen mit Konfirmandinnen und Konfirmanden Gedanken gemacht: Was bedeutet das für uns und unser Leben heute? – Dazu sollen heute Jolanda und Marit, beides Konfirmandinnen aus der Tübinger Nordstadt, zu Wort kommen. Hören Sie selbst:
Jolanda:
Der Arzt, Theologe und Musiker Albert Schweitzer hat gesagt. „Ich bin Leben inmitten von Leben, das Leben will.“ Er meinte damit: Gott hat uns diese Welt geschenkt. Und zwar nicht, um sie nur für uns als Menschen auszunutzen. Nein, in seiner Welt sollen alle Lebewesen glücklich leben können. Jedes lebende Wesen, sei es auch noch so klein, ist wertvoll.
Schnecken zum Beispiel. Die werden von vielen Menschen verabscheut. Aber ich finde: Auch Schnecken sind Gottes Geschöpfe, genau wie wir, sie haben sie ein Recht zu leben. Ich finde, wir sollten uns Mühe geben, damit wir mit so wenig Gift oder Gewalt wie möglich auskommen. Alle Geschöpfe verdienen Respekt.
Darum schlage ich Ihnen vor: Wenn Sie das nächste Mal eine Schnecke an ihrem Salat entdecken, schneiden Sie sie nicht in Ihrer Wut mit der Gartenschere entzwei. Streuen Sie lieber Sägemehl oder Kaffeesatz um ihr Gemüse. Das ist eine Methode, für die kein Tier sein Leben lassen muss.
Ich wünsche mir eine Welt, in der jeder Mensch – wie schon Albert Schweitzer – erkennt: „Ich bin Leben inmitten von Leben, das Leben will.“
Marit:
Ich mache mir immer wieder Gedanken darüber, dass unter so vielem, was wir Menschen tun, andere leiden. Menschen und Tiere werden ausgebeutet, die Umwelt wird zerstört. Ich bemühe mich, mich in so vielen Situationen wie möglich so zu verhalten, dass möglichst wenige Lebewesen unter dem, was ich tue, leiden: Ich kaufe Bio-Produkte. Ich ernähre mich vegetarisch. Ich fahre Bus und Fahrrad.
Rücksicht auf andere Lebewesen kann man natürlich auch durch andere Dinge nehmen. Mein Weg muss ja nicht der Weg von allen Menschen sein. Aber: So oft sehe ich, dass Menschen Zigaretten einfach wegwerfen, obwohl sie giftig sind. Oder: Sie essen Fleisch und denken nicht daran, dass dafür ein Tier sein Leben lassen musste. Es macht mich wütend, dass sich viele gar nicht darum kümmern, dass sie anderen mit ihrem Verhalten schaden.
Dabei hat Gott doch alles Leben erschaffen. Die Schöpfungsgeschichte in der Bibel erzählt, dass er alles Leben liebt. Und dass er seine Schöpfung mit allen ihren Geschöpfen gut findet, so wie sie ist. Jedes Leben ist wertvoll und zählt!
Darum sollten wir uns dafür einsetzen, dass jedes einzelne Leben wertgeschätzt wird. Das ist zwar nicht immer das Bequemste. Aber ich denke: Jede kleine Tat kann etwas verändern, wenn viele mitmachen. Und dieser Gedanke gibt mir Hoffnung.
