SWR1 3vor8

30MRZ2025
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Brot ist etwas Wunderbares. Das Knacksen der frischen Kruste kann einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Und kostbar – besonders, wenn man nicht so viel davon hat.

Als ich ein Kind war, hat mir mein Vater eine Geschichte erzählt, aus seiner eigenen Jugendzeit. Passiert sein muss sie kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Mein Vater – als junger Teenager -  war damals gerne unterwegs mit dem Fahrrad, wenn möglich auch für ein paar Tage. Seine Mutter hat ihm dann immer etwas Proviant mitgegeben: Brot - ein paar Scheiben, bestreut mit ein wenig Salz, manchmal hat es sogar für etwas Butter gereicht.

Einmal – allein auf dem Weg zurück nach Hause – da wollte er sein letzte Stück auspacken – und es lag vor ihm: total verschimmelt. Bestürzung! Denn das war doch – Brot!

Als ich die Geschichte zum ersten Mal als Kind gehört habe, da hat mich besonders berührt: dass mein Vater damals nicht gewusst hat, was er tun soll. Er konnte „Brot“ doch nicht einfach so wegschmeißen. In seiner Not ist mein er ein paar Schritte in den Wald hineingegangen und hat es – sorgsam! – dem Erdboden übergeben. Er hat es sozusagen „beerdigt“: Brot – lebenserhaltende Nahrung, auf die er nicht genug aufgepasst hatte.

Brot ist etwas Wunderbares - etwas so Elementares: unentbehrliche Nahrung – so unentbehrlich wie Vertrauen und wie Hoffnung. Ich denke, darauf spielt Jesus an, wenn er sich in der Bibel mit Brot vergleicht. Zu seinen Jüngern sagt er: „Ich bin solches Brot: lebendiges Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.“ (Joh 6, 51)

Diese Worte sind gar nicht so leicht auszuhalten, finde ich: Jesus als Leben-stiftendes Brot? Das verzehrt werden wird – sterben muss, um Kraft zu geben für die Ewigkeit? Jesus wird tatsächlich sterben am Kreuz und in ein Grab gelegt werden – die Passionszeit erinnert daran.

Aber damit ist seine Kraft nicht verloren, anders als bei dem Brot, das mein Vater einst in die Erde gelegt hat. Die Lebenskraft von Jesus reicht weiter. Sie schenkt Hoffnung auf neues Leben - sogar über den Tod hinaus.

Brot ist etwas Wunderbares. Es schmeckt für mich auch immer nach Hoffnung: dass Jesus Christus meinen Hunger nach Frieden, nach Leben und nach Gerechtigkeit stillen wird.

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