Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

28MRZ2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Frau Grubber ist eine leidenschaftliche Gärtnerin. Selbst im Winter vergeht kaum ein Tag, an dem sie nicht im Garten werkelt. Und wenn die ersten grünen Spitzchen der Winterlinge und Krokusse aus dem Boden luken, dann geht ein Lächeln über ihr Gesicht. Denn dann wird es Frühling.

Aber heute ärgert sich Frau Grubber ein bisschen. Sie hat im Radio gehört, dass heute, am 28. März, der Tag des Unkrauts ist. „Wer hat sich das bloß ausgedacht?“, fragt sie sich. Sicher, das Wort Unkraut ist nicht schön. Das haben die meisten Gewächse und Kräuter nicht verdient, dass man sie ein Unkraut schimpft. Aber gleich einen Tag des Unkrauts ausrufen – wo doch Frau Grubber oft stundenlang braucht, um die Quecken aus den Beeten zu ziehen.

Immerhin. Jetzt ist sie doch nachdenklich geworden. Giersch, Brennnessel, Löwenzahn, Spitzwegerich oder Vogelmiere können es einem im Garten schwer machen. Aber einige von diesen Unkräutern sind Heilkräuter. Außerdem findet Frau Grubber, dass ein Schöllkraut, das aus einer Straßenritze herauswächst, sehr schön zeigt: da ist noch Leben unter dem grauen Asphalt.

Klar, sie mag auch nicht alles Kraut in ihrem Garten. Und schließlich sind doch alles Pflanzen auf Gottes schöner Erde. Warum sollte da nicht jedes Kräutlein einen Sinn haben? Und wenn es nur einen Sinn für Frau Grubber hat.

Zum Beispiel findet sie: Der Löwenzahn ist fürs Träumen da. Denn, wenn aus ihm endlich eine Pusteblume geworden ist, dann kann man mit den zarten Samenschirmchen die Träume in Richtung Sonne pusten. Oder die Schlüsselblumen. Die schenkt man einem lieben Menschen und hofft, dass sie sein Herz aufschließen.

So streifen Frau Grubbers Gedanken über die Wiesen und durch die Beete, bis sie merkt: Unkraut, Heilkraut, schöne Blume. Es ist wie so oft eine Frage der Perspektive.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=41820
weiterlesen...