Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

25MRZ2025
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„Eigentlich kann ich stolz sein auf das, was ich geschafft habe.“ Dieser Satz ist mir aus einem Gespräch vor einiger Zeit in Erinnerung geblieben. Da war viel Belastendes im Leben meiner Gesprächspartnerin. Manches liegt schon lange zurück. Ihre Kindheit etwa war nicht einfach. Im Gegenteil. Der Vater war oft nicht da und wenn er da war, dann roch man den Alkohol und bekam seine Gewalt zu spüren. Ein sicheres Zuhause, das kannte sie lange nicht. Und auch Geborgenheit, Liebe und Vertrauen hat sie erst viel später richtig erlebt.

Sie hatte keinen unbeschwerten Start ins Leben, wie man es Kindern wünscht. Aber sie hat ihren Weg gefunden. Sie hat sich ein Leben aufgebaut, in dem ihr vieles gelungen ist. Sie hat ein Zuhause, in dem sie sich wohlfühlt. Ihre Arbeit macht ihr Freude. Und sie hat eine eigene Familie gegründet, ist selbst Mutter und hat sich vorgenommen: Bei meinen Kindern mache ich es besser! Nicht alles, aber einiges ist ihr gelungen. Schaut sie auf ihr Leben, sieht sie zuerst all das, was schwierig war oder auch momentan schwierig ist. „Aber eigentlich kann ich stolz sein auf das, was ich geschafft habe.“ fiel es ihr in unserem Gespräch auf.

Mich hat das sehr berührt. Denn ich hatte den Eindruck: Stolz sein, das liegt ihr eigentlich nicht. Denn stolz sind doch eher die anderen. Die, die so richtig was vorweisen können. Die ein großes Haus oder beeindruckend Karriere gemacht haben. Ihr Leben hingegen ist doch ganz normal. Das, was ihr gelungen ist – das ist viel unscheinbarer: Ihren Weg gehen und sich ihr Leben aufbauen, das war nicht selbstverständlich. Sie versucht nun für ihre Kinder da zu sein und liebt sie, egal was ist. All das hat sie geschafft – und noch viel mehr. Und das ist viel wert.

Stolz hat keinen guten Ruf. Er gilt als überheblich, unangebracht und selbstgerecht. Und übermäßiger Stolz ist sicher nichts Erstrebenswertes. Aber sich dann und wann bewusst machen, was nicht selbstverständlich ist, das ist wichtig.

„Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ Denke ich mir dann oft – und weiß: Nicht nur ich habe etwas gut gemacht, auf das ich stolz sein kann. Sondern auch Gott und dafür bin ich dankbar.

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