Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

24MRZ2025
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„Das will ich auch!“, sagt Linus. Er sitzt neben mir und eben gerade habe ich ihn gesegnet. Und nun will er das auch: mir einen Segen zusprechen.

Wir feiern Familienkirche - so heißt unser Familiengottesdienst, bei dem wir erst an Stationen gemeinsam etwas entdecken und anschließend alle zusammen feiern. Ich bin mit an der Segensstation. Dort sprechen wir allen, die möchten, einen Segen zu. „Gott spricht: Ich will DICH segnen und du wirst ein Segen sein.“ (Gen 1,12), sagen wir zum Beispiel. Oder: „Gott segne und behüte dich. Gott schenke dir Mut und Kraft für alles, was vor dir liegt. Gott bewahre deine Neugier und deine Fröhlichkeit. Gott sei immer bei dir. So segne dich Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.“ Mit diesen Worten habe ich eben Linus gesegnet. Dabei hat er seine Hand auf meine gelegt und ich habe ihm mit dem Finger ein Kreuz auf seine Handfläche gezeichnet. Und gerade, als ich fertig war, sagt Linus: „Das will ich auch!“ Er hat nicht lange nachdenken oder überlegen müssen, ob er sich traut. Er weiß einfach: „Das will ich auch.“

Nachdem also erst ich den Achtjährigen gesegnet habe, segnet er nun mich. Nun liegt meine Hand auf seiner. Behutsam zeichnet Linus mit einem Finger sanfte Linien in meine Handfläche. Ganz konzentriert ist er bei der Sache. Worte braucht es für diesen Segen keine. Ich spüre Gottes Geistkraft auch so.

Für mich war das ein ganz besonderer Moment, als Linus mich so gesegnet hat. Denn normalerweise bin ich als Pfarrerin ja diejenige, die andere segnet. Dabei ist mir völlig klar: Der Segen kommt nicht von mir selbst. Der kommt immer von Gott. Oft bin nur ich diejenige, die dafür Worte und Gesten findet.
Seit mich Linus so gesegnet hat, denke ich, wir sollten uns öfter segnen. Einfach so, mitten in unserem Alltag. Bevor wir morgens zur Schule oder zur Arbeit aufbrechen. Wenn wir uns für längere Zeit verabschieden oder bevor wir verreisen. Segnen und gesegnet werden tut gut. Und es geht auch ganz einfach - mit Worten, einem Kreuzzeichen oder sanften Linien in der Handfläche.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=41816
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