SWR Kultur Lied zum Sonntag

Jede noch so kleine Kirche ist Teil eines großen globalen Netzwerks – verbunden mit Christinnen und Christen rund um den Erdball. Ich finde diesen Gedanken großartig. Aber ich gebe zu: Nicht immer fühle ich mich wirklich weltläufig, wenn ich in kleiner Runde in unserer bescheidenen Dorfkirche sitze.
Am ersten Freitag im März aber ist das anders: Denn da wird der Weltgebetstag gefeiert. Auch in diesem Jahr wieder: Auf allen Kontinenten – und eben auch bei uns in der Nähe – haben sich an diesem Abend Frauen aus verschiedenen Konfessionen getroffen, um gemeinsam zu feiern und zu beten. Und zwar überall mit der gleichen Liturgie, die jedes Jahr aus einem anderen Land kommt – dieses Jahr von den Cook-Inseln, einem kleinen Archipel am anderen Ende der Welt. Mein persönliches Highlight:
Am Ende des Gottesdienstes wird jedes Jahr das gleiche Lied gesungen: The day thou gavest, Lord, is ended – Der Tag ist um, die Nacht kehrt wieder.
Das Lied stammt aus dem 19. Jahrhundert, der englische Pfarrer John Ellerton hat den Text gedichtet. 1958 wurde er für die deutsche Liturgie des Weltgebetstags übersetzt und ist seitdem mit ihr verbunden. Denn das Lied beschreibt die globale Perspektive des christlichen Glaubens, die auch der Weltgebetstag hat:
So wie am ersten Freitag im März das Gebet der Frauen von Zeitzone zu Zeitzone um die Welt wandert, so stimmen in jedem Moment an einem anderen Ort Menschen das Morgenlob an:
Auch wenn das Lied eine gute Portion kirchlicher Romantik ausstrahlt: Der Weltgebetstag ist keinesfalls nur eine Wohlfühlveranstaltung, sondern hat auch eine politische Perspektive.
„Wunderbar geschaffen“ war nicht zufällig das Motto der Liturgie von den Cook-Inseln. Die Inseln sind ein von Touristen geschätztes Südseeparadies. Aber sie sind auch massiv vom Klimawandel und den steigenden Meeresspiegeln bedroht. Und vor den Küsten im Meeresboden liegen begehrte Rohstoffe, deren Abbau ökologisch hoch umstritten ist. All das war Thema beim Weltgebetstag. Und wie jedes Jahr wurde für Initiativen und Hilfsorganisationen von und für Frauen weltweit gesammelt.
Informiert beten – und betend handeln, heißt die Devise des Weltgebetstags. Dahinter steht die große Hoffnung des christlichen Glaubens, die auch unser Lied ausdrückt: Die Hoffnung auf Gottes neue Welt. Auf das Ende aller Gewaltherrschaft und auf Frieden und Gerechtigkeit für alle Menschen.
So sei es, Herr: die Reiche fallen,
dein Thron allein wird nicht zerstört;
dein Reich besteht und wächst bis allen
dein großer neuer Tag gehört.
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