SWR4 Abendgedanken
Was war das wieder für ein Riesentrubel heute Nachmittag in unserer Kirche – genauer gesagt in der Antoniuskirche in Mannheim. Immer mittwochs ist dort der sogenannte „Soziale Punkt“ geöffnet. Der ist Tafelladen und Kleiderkammer in einem. Dass es den gibt, macht zum Beispiel Ariane möglich. Sie versorgt die Gäste jede Woche mit einer heißen Tasse Kaffee. Und dabei hat sie stets ein offenes Ohr. Oder Herr Damiani, der ist immer zur Stelle, wenn es um die Kleiderausgabe geht. Egal wie schwer die Kiste oder wie unhandlich der Karton, Herr Damiani geht die Kraft und Power nie aus. Was die beiden da leisten…! Ich bin immer mal wieder bei diesen Mittwochnachmittagen dabei und denke dann oft: „Ariane, Herr Damiani und die anderen im Team haben verstanden, worauf es Jesus eigentlich ankommt.“
Jesus hat immer wieder gezeigt, was für ihn das Allerwichtigste ist. Einmal sagt er zu seinen Leuten: „Ihr seid meine echten Freundinnen und Freunde, denn „ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben.“ Die Freunde halten dagegen: „Jesus, da musst du was verwechseln. Das waren wir nicht, denn wann haben wir dich hungrig gesehen… und so weiter?“ Da bringt es Jesus voll auf den Punkt: „Immer wenn ihr für Leute da seid, die vom Rest der Welt vergessen werden, dann seid ihr auch für mich da.“
Das Statement sitzt, da gibt es nicht viel herum zu deuten. Wer anderen zur Seite steht, der steht dadurch auch an der Seite Jesu. Was Jesus da beschreibt ist Nächstenliebe. Sein zentrales Thema. Und das Schöne ist: Er lebt diese Nächstenliebe so überzeugend vor. Da werden Menschen wieder gesund, als sie auf Jesus treffen, der ihnen mit ganz besonderer Wärme begegnet. Und andere lernen ihren Groll loszulassen und können sich und anderen endlich vergeben. Jesus macht deutlich: Es gibt viele Wege wie ich Liebe, Wärme oder Menschlichkeit verbreiten kann. Ich muss nicht alles können, sondern kann schauen, was am besten zu mir passt. Und genau das tun auch Ariane, Herr Damiani und alle anderen vom Sozialen Punkt in Mannheim. Ich bin sicher, Jesus wäre stolz auf sie gewesen.
Clarissa Wolk aus Mannheim von der katholischen Kirche
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