SWR4 Sonntags-/Feiertagsgedanken

09MRZ2025
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Gerade war Aschermittwoch, der Fasching – die Fasnettszeit ist vorbei. Einerseits schade, denn es ist gut, dass wir mal Dampf ablassen konnten. Einfach feiern und auch lachen: über uns selbst, über die Verspätungen der Bahn, über Trump und Putin, über den alltäglichen Wahnsinn in einer Beziehung. Die Alten haben über die Jungen gelästert und die Jungen haben den Alten den Spiegel vorgehalten…

Einerseits tut das gut. Anderseits ist irgendwann doch die Luft raus. Man kann nicht immer lachen, sonst wird’s künstlich. Und wenn dann noch so schreckliche Dinge passieren, wie am Rosenmontag in Mannheim– dann kann es eigentlich nur noch verstummen.

Heute ist der erste Sonntag in der Passionszeit. Für uns Christen beginnen damit eine eher ruhige Zeit - um nachzudenken über die letzten Wochen im Leben von Jesus, vor bald 2000 Jahre. An seinen Weg nach Jerusalem, an die wachsende Feindschaft, die er dort erleben musste, und wie er schließlich verhaftet wurde und unschuldig am Kreuz gestorben ist.

Ein harter und abrupter Wechsel nach Fasching. Vom Lachen zum Weinen. Vom Feiern an die Seite Jesu auf seinem Leidensweg. Aber der Wechsel ist wichtig, denke ich. Zu lachen hat geholfen: um das auszusprechen, was uns Angst macht und woran wir leiden. Und was einmal ausgesprochen ist, das können wir auch angehen. Immer Lachen geht nicht. Irgendwann müssen wir uns auch auf den Weg machen, durch unsere Ängste und Sorgen hindurch. Und am besten nicht allein, sondern mit Jesus von Nazareth an der Seite.

Jesus hat seinen Weggefährten einmal versprochen: „Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.“ Das heißt doch: Jetzt schon berührt der Himmel die Erde. Es gibt Hoffnung, dass der schwere Weg irgendwann einmal endet! Dass es Ostern wird. Und die ganze Welt aufatmen kann – erlöst von allem Bösen: von Angst, Krieg, Gewalt, Einsamkeit, Verlorenheit… 

Aber ist diese Hoffnung nicht doch Selbstbetrug? Und dass der Himmel die Erde berührt – erlebe ich das, wenn ich Jesus in der Passionszeit auf seinem Weg begleite? Sein Weg führt schließlich ans Kreuz. Die Weggefährten damals verlieren ihre Hoffnung. Und ich kann verstehen, dass heutzutage immer weniger Menschen an einen Himmel glauben können.

Was, wenn der Himmel leer ist? Und wo kann ich das spüren – dass der Himmel die Erde berührt?

Die Passionszeit hat begonnen. Die Zeit, in der wir Christen an die letzten Wochen und Tage im Leben von Jesus erinnern. Und ihn in Gedanken auf seinem Weg begleiten. Ich denke, es ist eine tiefe Sehnsucht, die uns dazu bringt: danach, dass es am Ende dieses Weges Ostern wird. Der Tod besiegt ist und mit ihm alle unsere Angst und alle Ungerechtigkeit.

Allerdings kann man diese Hoffnung und Sehnsucht auch sehr leicht verlieren. Eben, im ersten Teil der Sonntagsgedanken, habe ich erzählt, dass ich es durchaus verstehen kann, dass auch heute immer weniger Menschen an einen Himmel glauben können. Angst, Wut, Leid, Einsamkeit, Hunger… Das alles scheint kein Ende nehmen zu wollen. Wo kann man das sehen, dass Himmel und Erde sich berühren?

Tja, wo? Eine alte Legende erzählt, dass sich zwei Mönche einmal dieselbe Frage gestellt haben. Sie haben zufrieden in der Gemeinschaft ihres Klosters gelebt. Aber eines Tages lasen sie in einem alten Buch, dass es da irgendwo, in weiter Ferne, vielleicht am Ende der Welt, einen Ort gäbe, wo unermessliches Glück herrschte. Einen Ort, an dem der Himmel die Erde berührt. Die beiden Mönche machten sich auf die Suche nach diesem Ort. Der Weg war lang und voller Entbehrungen. Doch irgendwann erreichten sie eine Tür, wie sie im Buch beschrieben war. Hinter dieser Tür sollte es sich befinden: das große Glück, der Ort, an dem der Himmel die Erde berührt. Sie klopften an. Die Tür öffnete sich. Sie traten ein. Da standen sie nun – in ihrer eigenen Klosterzelle, von wo sie aufgebrochen waren.

Auf der Suche nach dem Glück landen die beiden wieder in ihrem Kloster. Der Ort, an dem sich Himmel und Erde berühren ist: in ihrer Gemeinschaft. In ihrem Alltag, den sie gemeinsam jeden Tag meistern: Seite an Seite.

Ein bisschen kitschig, diese Legende – ich gebe es zu. Vielleicht auch ein bisschen zu einfach. Vielleicht aber auch nicht. Denn als Jesus am Kreuz gestorben war, und seine Freunde erst einmal kopflos auseinandergelaufen sind. Was hat ihnen da neuen Halt gegeben? Die Ermahnung von Jesus vor seinem Tod, beieinander zu bleiben. Gemeinsam ihren Weg weiterzugehen.

Bis heute sind deshalb Menschen an der Seite von Jesus unterwegs – obwohl sein Weg kein leichter ist. Obwohl wir manchmal das Vertrauen verlieren, dass der schwere Weg wirklich einmal endet. Wir wirklich alles überstehen und es Ostern wird.

Aber wenn wir es wagen und den Weg der Hoffnung gemeinsam gehen, dann können wir einander zeigen, wie der Himmel die Erde doch immer wieder berührt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=41738
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