SWR4 Sonntagsgedanken

02MRZ2025
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Das wichtigste Organ des Menschen ist …: das Herz. Wobei man freilich darüber streiten kann, was ein Mensch ohne Lunge oder Leber ist, oder gar ohne Gehirn. Leben kann er nur, wenn auch die anderen Organe einigermaßen funktionieren. Aber das Herz ist eben der Antrieb von allem. Die Pumpe. Sie pumpt Blut, unseren Lebenssaft, überall dorthin, wo es gebraucht wird. In die Lunge zu Atmen, ins Gehirn zum Denken, in die Muskeln, damit wir uns bewegen können. Was für ein Wunder, dass das so selbstverständlich funktioniert. Und wie erschreckend, wenn das Herz stolpert oder rast und wir dabei aus dem Gleichgewicht kommen.

Mein Blutdruck war lange Zeit zu hoch, und es hat gedauert, bis meine Ärztin das in den Griff gekriegt hat. Sie hat mich eisern kontrolliert und mich stets gewarnt: Das ist schlecht für ihr Herz, wenn der Druck in den Adern zu hoch ist. Kapiert habe ich das gleich, aber die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen, das ist bis heute eine Herausforderung. Dabei geht es doch um meine Mitte, um das biologische Zentrum meines Lebens.

In unserer Sprache ist das Herz noch viel mehr. An den Schluss meiner E-Mails schreibe ich häufig „Herzliche Grüße“, wenn ich jemanden mag. Es ist für mich ein bisschen so, als würde ich die Betreffende in den Arm nehmen. Ich sage: „Das kommt von Herzen“, wenn ich unterstreichen will, dass ich es ganz ehrlich meine. Umgekehrt: Wenn ich eine Sache nicht so ernst nehme, dann mache ich sie „halbherzig“ oder „herzlos“. Außerdem kann ich mein Herz ausschütten, was bedeutet, dass ich mich einem anderem anvertraue, ihn in mein Inneres hineinschauen lasse. Das menschliche Herz steht für die Emotionen, die wir haben, und besonders für das schönste Gefühl, das wir kennen: für die Liebe. Da malen wir dann ein Herz aufs Papier, wenn wir schreiben, oder verschicken das entsprechende Emoji.

Für diese symbolische Bedeutung des Herzens lohnt auch ein Blick in die Bibel. Ich finde dort viele Belege, dass das Herz der Ort ist, wo sich alles konzentriert, was mich ausmacht. Stellen wie: Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz[1] belegen das. Oder: Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor (…). Denn wovon das Herz überfließt, davon spricht sein Mund.[2] Das Herz pumpt also nicht bloß Blut durch unsere Adern, nein, es gilt als die Mitte unseres Lebens. Und vermutlich ist es auch am ehesten der Ort, wo unsere Seele zuhause ist.

 

So, nach diesem ersten Teil über das HERZ in unserer Sprache und in der Bibel, wird’s im zweiten Teil konkreter: Wo braucht es mehr Herz? Und was kann ich dafür tun? Gleich nach der Musik geht’s weiter.

 

In den SWR4-Sonntagsgedanken dreht sich heute alles um das menschliche Herz. Seele und Leib kommen dort zusammen. Normalerweise schlägt mein Herz, ohne dass ich es überhaupt bemerke. Und ich zeige auch genug Herz, ohne dass ich daran denken muss. Das ist gut so. Wo es mir aber an Herz fehlt, verkümmere ich langsam und sterbe vor der Zeit. Deshalb wäre es manchmal besser, ich würden etwas in mein Herz investieren.

Heute am Faschingssonntag tun das viele. Sie verkleiden sich, um etwas den Alltag und die Sorgen zu vergessen. Sie singen lustige Lieder und feiern ausgelassen mit anderen zusammen. Das ist eine Investition in mehr Herz, die unserer Welt guttut. Die letzten Wochen vor der Bundestagswahl waren für viele nervenaufreibend. So viele verwirrende Nachrichten aus der deutschen Politik. So viele Irritationen aus den USA, der bislang unser Verbündeter war. Das Ganze ist oft damit verbunden, anderen Böses zu wünschen, sie persönlich heftig anzugreifen. Wenn es mir zu viel wird an Hass und Hetze, wenn die Kommentare im Internet jede Achtung vermissen lassen, schalte ich inzwischen ab. Solche Herz-Losigkeit halte ich einfach nicht mehr aus.

Wenn ich einem anderen Menschen begegne – egal wem – dann geht das am besten mit Herz. Kluge Gedanken allein reichen nicht aus. Der andere bleibt immer ein Mensch, der Gefühle hat, der geliebt und respektiert werden will, der wie ich ein Recht hat, in Frieden zu leben. Wo ein anderer es an Herz fehlen lässt, ist das für mich noch lange kein Grund, es ihm gleichzutun. Ich weiß gut genug, was passiert, wenn ein Wort das andere gibt und Gleiches mit Gleichem vergolten wird. Diesen Kreislauf des Bösen hat Jesus zu unterbrechen versucht, wo immer es ihm möglich war. Zum Beispiel als herzlose Männer eine Frau steinigen wollen, weil sie ihren Mann betrogen hat. Nicht mit Jesus. Er verscheucht die Rechthaber, begegnet der Frau freundlich und rät ihr, es von nun an besser zu machen. So zeigt man Herz! So einfach kann das gehen. Das wünsche ich mir auch bei den Verhandlungen für den Koalitionsvertrag einer neuen Regierung. Weil es gerade auch in der Politik Herz braucht.

Es gibt jeden Tag Möglichkeiten, herzlich zu sein. Am ehesten merke ich das, wenn jemand mir was Gutes tut. Mich anlächelt, mich freundlich grüßt, meine Entschuldigung annimmt. Dann denke ich mir: Nächstes Mal fange ich an.

 

[1] 1 Samuel 16,7

[2] Lukas 6,45

https://www.kirche-im-swr.de/?m=41675
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