SWR Kultur Wort zum Tag
Mein Freund René hat seinen Arbeitsplatz verloren. Ein großer Autozulieferer steckt in der Krise, und 20 Prozent der Belegschaft musste gehen. Kurz vor Weihnachten hat René alles zurückgeben müssen: Schlüssel, Laptop und seine Arbeitsutensilien. Viele Jahre hat er hart gearbeitet und ist unzählige Male rund um den Globus gereist – all das ist nun Vergangenheit. Die ersten Bewerbungen für eine neue Stelle sind raus, doch wie es weitergeht, ist noch unklar.
Trotz der schwierigen Situation fällt René nicht in ein schwarzes Loch. Er bekommt Arbeitslosengeld, und er hat mir sogar gestanden, dass es ihm erst einmal gut tut, ein paar Monate weniger Stress zu haben. Bisher waren seine Tage immer vollgepackt: Die Kinder müssen zur Schule, Dinge am Haus repariert werden, dazu die vielen beruflichen Termine. Jetzt hat er endlich mal Zeit. Doch trotz der Freiheiten macht er sich natürlich Sorgen um die Zukunft: Wann bekomme ich wieder ein Gehalt, wie geht es weiter mit der Rente und dem Kredit fürs Haus?
Wer ist denn nun verantwortlich dafür, dass René jetzt arbeitslos ist? Hätte er härter arbeiten sollen, mehr Fortbildungen machen oder sich früher wegbewerben müssen? Oder tragen die Manager die Schuld, die schlecht geplant haben? Einige sagen, es sei die deutsche Politik, andere sagen die Strafzölle aus Amerika. Wahrscheinlich spielt alles eine Rolle, doch was hilft es René, der jetzt um seine Zukunft fürchtet?
Meine größte Sorge ist, dass er den Glauben an sich selbst verliert. René ist eigentlich kreativ und hat viele Ideen und Ziele. Doch nun sagt er selbst: „Ich muss aufpassen, mich nicht aufzugeben.“ Natürlich ist es verlockend, gemütlich in der Jogginghose zuhause zu bleiben, aber irgendwann besteht die Gefahr, dass die Tage ihre Struktur verlieren.
Ich wünsche ihm besonders, dass sein Selbstwertgefühl nicht leidet. Dass er erkennt, wie viel er noch zu bieten hat. Papst Johannes Paul II. hat mal gesagt: „Die Arbeit ist ein Gut für den Menschen, weil er durch die Arbeit sich selbst als Mensch verwirklicht, ja gewissermaßen „mehr Mensch wird.“ Ja, die Arbeit ist wichtig, aber unsere Würde behalten wir auch, wenn wir nicht arbeiten können und arbeitslos sind. Das geht mir durch den Kopf, wenn ich an René denke. Aber vor allem will ich ihm in nächster Zeit ein guter Freund sein.
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