SWR Kultur Lied zum Sonntag

23FEB2025
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Unser heutiges Lied zum Sonntag ist ein Morgenlied und Segenslied. Und was könnte besser zu einem Sonntagmorgen passen?

 

Musik (Refrain)

Behutsam leise nimmst du fort die Dämmrung von der Erde,

sprichst jeden Morgen neu dein Wort: Es werde, es werde.

 

„Behutsam leise nimmst du fort die Dämmrung von der Erde,

sprichst jeden Morgen neu dein Wort: Es werde, es werde.“

Die Melodie des Liedes stammt von Christoph Seeger, der Text von Raymund Weber. Die beiden haben das Lied im Jahr 2004 für den Weltjugendtag in Köln geschrieben. Von der Morgendämmerung ist die Rede.

 

Das Bild, dass Gott die Dämmerung wie eine leichte Decke von der Erde zieht und es dadurch hell wird, erinnert an die Schöpfungserzählung. Und die Worte „Es werde, es werde“ verstärken diesen Eindruck. Der Textdichter Raymund Weber erklärt dazu: „Wie Gott am Anfang aus dem Nichts durch sein (…) Wort `Es werde´ die Welt erschuf, so schafft er jeden Morgen neu aus (…) dem Stillstand der Nacht das bunte pulsierende Leben des neuen Tages.“

 

Menschen erleben die Morgendämmerung sehr unterschiedlich. Die Jugendlichen beim Weltjugendtag waren vielleicht froh, weil sie die halbe Nacht auf ihren Plastikumhängen gesessen sind, um einen Platz bei der Papstmesse zu reservieren. Menschen im Schichtbetrieb können die Dämmerung vielleicht gar nicht richtig wahrnehmen. Andere haben ihr heute Morgen vielleicht aus dem Bett heraus zugesehen. Manche sehnen die Morgendämmerung herbei, weil dann die beschwerliche Nacht endlich ein Ende hat. Für andere beginnt mit der Dämmerung der harte Alltag.

Und all ihnen gilt der Segen des Liedes. Denn am Ende jeder Strophe heißt es: „Es werde Licht für die Menschen in jedem Land, halt über uns deine segnende Hand.“

 

Musik

Es werde Licht für die Menschen in jedem Land.

Halt über uns deine segnende Hand.

 

Das Lied hofft auf einen Gott, der den Menschen zum Licht wird. In den folgenden drei Strophen zur Kraft, zum Glück und zum Trost. Ein Gott also, der vieles zum Guten wenden soll, der uns leuchtet in dunkeln Stunden, der uns kräftigt, der uns glückliche Momente beschert und in schwierigen Lagen tröstet. So einen Gott wünsche ich mir auch – und an solch einen Gott glaube ich.

 

Musik (2. Strophe)

Es werde Kraft an diesem Tage, und Mut zum Wirken in der Welt

und Sinn in jeder neuen Frage, die heute uns zur Rede stellt.

Es werde Kraft für die Menschen in jedem Land.

Halt über uns deine segnende Hand.

Behutsam leise nimmst du fort die Dämmrung von der Erde, …

 

Vielleicht ist auch noch eine andere Dämmerung gemeint. Die Menschen scheinen oft in einer Art Dämmerschlaf zu sein, die Sinne vernebelt. Wir verschlafen den Klimawandel, die Bundestagswahl oder uns die Hand zur Versöhnung zu reichen. Aber auch kleinere Dinge verpennen wir: eine Trauerkarte zu schreiben, ein großzügiges Lob zu verteilen, die Tante im Heim zu besuchen oder einen Euro rauszukramen, um ihn in einen Kaffeebecher zu werfen. Und vielleicht gilt der Segen des Liedes auch dafür: dass es uns rechtzeitig dämmert, dass wir vertane Chancen nicht bereuen müssen, dass Gott uns immer begleitet mit seinem Licht, seiner Kraft, seinem Glück und seinem Trost.

 

Musik (Refrain)

Behutsam leise nimmst du fort die Dämmrung von der Erde,

sprichst jeden Morgen neu dein Wort: Es werde, es werde.

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