SWR Kultur Wort zum Tag
Klar und ruhig ist ihre Stimme. Eindringlich ihre Worte. Sie sagt: Ich bitte Sie, Mr. President, um Barmherzigkeit und Menschlichkeit. Ich bitte Sie für all die Menschen in unserem Land, die Angst haben. Weil sie Migranten sind, weil sie Minderheitengruppen angehören. Weil sie sozial schwach sind oder aus anderen Gründen verletzlich sind und Schutz brauchen.
Diese Worte spricht die Bischöfin von Washington D.C. Mariann Budde in ihrer Predigt nach der Amtseinführung von Donald Trump im anschließenden Festgottesdienst. Viel ist darüber in den letzten Wochen berichtet worden. Der Präsident beschwert sich danach und fordert von ihr eine Entschuldigung. Sie sei eine linksradikale Hardlinerin und Trump-Hasserin. Die Bischöfin und ihre Familie erhalten seitdem Morddrohungen und Anfeindung aber auch Zuspruch und Solidarität. Sie selbst sagt, dass sie sich nicht dafür entschuldigen wird, für andere um Barmherzigkeit gebeten zu haben.
Was die wenigsten über die Bischöfin wissen: Sie hat den Präsidenten auch schon in seiner ersten Amtszeit ermahnt, menschlich und barmherzig zu sein, trotz oder gerade wegen seines hohen Amts. Und vor sieben Jahren hat sie gemeinsam mit Bischof Gene Robinson in einem emotionalen Gedenkgottesdienst die sterblichen Überreste von Matthew Shepard in die Krypta der Kathedrale von Washington umbetten lassen.
Matthew Shepard war ein junger schwuler Student, der 1998 von zwei Männern niedergeschlagen und schwer verletzt an einen Zaun gefesselt worden war. Dort ist er Tage danach qualvoll gestorben. Dieser Mord hat weltweit Entsetzen ausgelöst und die Debatte um Hasskriminalität verstärkt. Aufgrund der wiederholten Schändung einer Gedenkstätte für Matthew Shepard hat die Bischöfin den Eltern des Verstorbenen eine Interim-Ruhestätte für die Urne in der Kathedrale in Washington angeboten. Im Jahr 2018 hat die Urne dort auch ihr permanentes Zuhause in der Krypta der Kathedrale gefunden. Mitmenschlichkeit, Empathie und Barmherzigkeit fordert die Bischöfin nicht nur von anderen, sondern sie handelt selbst danach.
„Selig sind die, die barmherzig sind, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen!“ (Mt 5,7)
Das sagt Jesus in den Seligpreisungen.
Und ich ergänze: Selig sind diejenigen, die wie die Bischöfin in Washington D.C. Menschlichkeit und Zivilcourage zeigen und nicht vor den Mächtigen dieser Welt einknicken.
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