SWR4 Sonntagsgedanken

02FEB2025
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Heute wird in vielen katholischen Gottesdiensten der Blasius-Segen gespendet. Das Ritual ist für manche etwas befremdlich: zwei Kerzen werden angezündet, gekreuzt und den Gläubigen vor den Hals gehalten. Dazu wird ein Segen gesprochen: Der Heilige Blasius möge bei Gott dafür eintreten, dass er die Person vor Halskrankheiten und Bösem schütze. Was hat es mit diesem Ritual auf sich?

Der Heilige Blasius hat vor 1700 Jahren gelebt. Er stammt aus Sebaste, einem Ort, der heute im Nordosten der Türkei liegt. Blasius war Arzt und dafür bekannt, dass er Gutes getan hat. Er war gläubig und hat Menschen geholfen, wo er nur konnte. Deshalb haben sie ihn zu ihrem Bischof gemacht. Das war keine leichte Aufgabe, denn die Christen wurden verfolgt. Es wird überliefert, dass Blasius tatsächlich eingesperrt, gefoltert und am Ende sogar geköpft wurde. Er hat an seinem Glauben festgehalten und ist als Märtyrer gestorben.

Man erzählt von Blasius, dass er im Gefängnis einem jungen Mann das Leben rettet; der hatte eine Fischgräte im Hals stecken und wäre beinahe erstickt. Nachdem Blasius gestorben ist, hat man ihn schon bald als Heiligen verehrt; er soll vor allem gegen Halsleiden helfen. Blasius ist zum Patron der Ärzte geworden und auch zum Patron der Blasmusiker; für die allerdings nur, weil sein Name so ähnlich klingt.

Blasius ist also ein Heiliger. Die Geschichte von der Fischgräte soll bis heute zeigen, wie sehr ihm die Menschen am Herzen liegen – als Arzt, dann im Gefängnis und selbst heute noch. Ich glaube an ein Leben nach dem Tod und kann mir das etwa so vorstellen: Blasius ist nun bei Gott und wünscht den Menschen nach wie vor Gutes; dass es nichts geben möge, an dem sie zu kauen haben oder das ihnen im Hals stecken bleibt. Dafür legt er bei Gott ein gutes Wort ein – auch für mich: „Gott, Schau dir die Menschen an, den Thomas zum Beispiel. Sein Leben ist zerbrechlich; ihm kann so vieles passieren. Schütze ihn und bewahre ihn vor Unheil.“

Das alles schwingt im Blasius-Segen mit. Ich kann verstehen, dass sich mancher damit schwer tut. Auch ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott direkt in mein Leben eingreift und mich vor Halsweh bewahrt. Und braucht es wirklich Menschen wie den Blasius, die zwischen Gott und mir vermitteln? Trotzdem gefällt mir die Vorstellung, dass die Heiligen bei Gott sind und mit mir verbunden. Das fühlt sich richtig gut an. Genau wie die gekreuzten Kerzen übrigens. Um zu verstehen, was es mit denen auf sich hat, muss ich tiefer bohren und mir den Segen mal genauer anschauen.


Segen kann man fühlen, riechen und schmecken

Gerade habe ich in meinen Sonntagsgedanken vom Heiligen Blasius und dem Blasius-Segen erzählt. Dieser Segen ist etwas speziell, denn dabei werden zwei brennende Kerzen vor Kopf und Hals gekreuzt.

Segen meint zunächst einmal: jemandem etwas Gutes sagen. Aber Segen meint noch mehr: Wer segnet, sagt dem anderen auf den Kopf zu, dass er gewollt und geliebt ist – von Gott.

Im Segen verdichtet sich die ganze biblische Geschichte. In der Bibel wird immer wieder gesagt, dass Gott die Menschen liebt. Sie sind ihm wichtig und er ist für sie da. Um das zu verdeutlichen, haben Menschen schon früh angefangen, diese Botschaft mit allen Sinnen erfahrbar zu machen. Segen soll spürbar und hörbar sein, man soll ihn riechen und schmecken können. Diese Idee, das, was man sagt, irgendwie zu unterstreichen, kennt man ja auch sonst: Wenn ich meinem Kind sagen will, dass ich es gerne habe, nehme ich es in den Arm oder wuschle ihm durch die Haare. Tröste ich jemanden, greife ich seine Hand. So ist das auch mit dem Segen: Zeichen machen greifbar, was man sonst lange erklären müsste. Sie sprechen für sich und bewirken hoffentlich etwas beim anderen.

Werden zum Beispiel Kranke gesegnet, wird Salb-Öl verwendet. Es duftet und glänzt auf der Haut. Es zieht ein wie eine Salbe, die schützt und heilt. Das Öl ist keine Medizin. Aber es zeigt dem Kranken ohne viele Worte, dass Gott ihm nahe ist. Das soll ihn aufbauen und stärken.

Das bekannteste Segenszeichen ist das Kreuz. Es steht dafür, dass Jesus den Tod besiegt hat. Jemandem ein Kreuz auf die Stirn zu zeichnen, heißt: Gott ist alles möglich. Er ist bei dir; was auch immer du gerade durchmachst.

Brautpaare bekommen den Segen als Kerze mit nach Hause. Das Licht steht für Jesus, der manch dunkle Stunde im Leben der Menschen aufgehellt hat: Er hat sie getröstet, Konflikte entschärft und Streit geschlichtet. Gibt es in der Beziehung düstere Zeiten und sind Worte am Ende, können die Paare ihre Kerze entzünden. Das Licht macht dann hell und gibt Hoffnung.

Im Blasius-Segen kommen einige dieser Zeichen zusammen: die Kerzen bilden ein Kreuz, brennen und machen hell. Aber da ist noch mehr: Wer den Segen so nah am Körper empfängt, riecht sogar das Wachs und spürt die Hitze der Flammen. Ich habe das selbst schon erlebt. Es fühlt sich fast an, als ob mich der Segen wärmt; er hat etwas Heimeliges. Vielleicht hat der Theologe Fulbert Steffensky das auch so empfunden, denn er vergleicht den Segen einmal mit dem Schoß einer Mutter. Er sagt: Wer gesegnet wird, lasse sich in den Schoß Gottes fallen. Ich finde, das trifft es ganz gut. So gesegnet zu werden, vermittelt: Ich, Gott, beschütze dich und sorge für dich. Und wenn du einen Kloß im Hals hast und zu ersticken drohst, komm zu mir; ich bin bei dir. Teile deine Sorgen mit mir, und du kannst wieder durchatmen.

Genau das wünsche ich Ihnen an diesem Sonntag – ob Sie nun mit dem Blasius-Ritual etwas anfangen können oder nicht: dass Sie durchatmen können, Luft holen und hinter sich lassen, was Ihnen sonst den Atem raubt. Mögen Sie jemanden haben oder treffen, der Ihnen guttut oder einfach etwas Nettes sagt – so wie Blasius den Menschen damals.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=41492
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