SWR3 Gedanken
Ich stehe kurz vor meiner Abschlussprüfung und kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Da ist nur noch völliges Chaos. Ständig schwirren mir Fetzen von dem Stoff, den ich gelernt habe, durch den Kopf. Und jedes Mal bekomme ich dann Panik: Weiß ich noch, wann dieses Ereignis passiert ist? Und kann ich den Ablauf noch richtig wiedergeben?
Ich weiß, ich habe genug gelernt, aber trotzdem habe ich jetzt Angst. Und komm da nicht so recht raus. Mein Mann sagt mir da plötzlich: „Was soll das? Natürlich schaffst Du das; stell dich mal nicht so an.“ Er klingt dabei fast ein bisschen wütend. Damit hab ich nicht gerechnet. Und ich bin auch erstmal irritiert. Sollte er mich nicht lieber trösten und mir gut zusprechen? Aber dann merke ich, dass es funktioniert. Weil er mich damit rausholt aus meinem Film – aus der Angst, in die ich mich immer weiter reinsteigere.
Mich hat das Ganze an eine Bibelstelle erinnert, in der es auch so einen krassen Satz gibt. Da sind Jesus‘ Freunde auf einem Boot und plötzlich kommt ihnen Jesus über das Wasser entgegengelaufen. Petrus sieht das und will Jesus entgegengehen. Er läuft tatsächlich auf dem Wasser, aber plötzlich bekommt er es doch mit der Angst zu tun. Der Wind ist so stark und die Wellen so hoch – er glaubt nicht mehr daran, dass er es schaffen kann und droht unterzugehen. Jesus streckt seine Hand aus und hilft ihm. Aber dann sagt er: „Du Kleingläubiger, warum hast Du gezweifelt?“
Ich hab diesen Satz nie verstanden. Und mich immer gefragt, warum Jesus so gemein ist. Jetzt denke ich: Vielleicht will er Petrus gar nicht kritisieren. Sondern ihm helfen, aus der Angst rauszukommen, indem er ein Machtwort spricht. Damit Petrus wieder sehen kann, was Jesus sieht: Dass er stark ist und Vertrauen haben kann – in sich selbst und in Gott.
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